Visiert eine Medaille an: Franzi Preuß. © Fromm/Imago
Den Verfolgungstag in der Lenzerheide würde Preuß gerne nochmal erleben. © Hettich/Imago
Im Höhenflug: Franziska Preuß wuchs in der vergangenen Saison über sich in hinaus. Pünktlich zu Olympia kam die Gesamtweltcupsiegerin wieder in Fahrt. © Hettich/Imago
Ruhpolding/Antholz – Weltmeisterin, Gesamtweltcupsiegerin und Sportlerin des Jahres: Sportlich hätte es bei Franziska Preuß kaum besser laufen können. Vor dieser Saison sagte die 31-Jährige, dass ihr ganzer Fokus den Olympischen Spielen in Mailand, Cortina d‘Ampezzo und den Biathleten in Antholz gilt. Es könnte ein goldener Abschluss für die Vorzeige-Biathletin werden. Außerdem hat Preuß noch eine Rechnung mit den Winterspielen offen. Ihre erste Teilnahme vor zwölf Jahren endete in einer Katastrophe.
Franziska Preuß, 2025 war verrückt. War es das bisher beste und schönste Jahr Ihres Lebens?
Ja, das war es definitiv!
Gibt es denn einen Tag aus dem letzten Jahr, den Sie gerne noch einmal erleben möchten?
Vielleicht den Verfolgungstag in der Lenzerheide. Wenn der noch einmal so passiert, dann wäre ich nicht traurig (lacht).
Damals sind Sie Weltmeisterin geworden. Bevor wir nach Antholz blicken, haben Sie noch Erinnerungen an Ihre ersten Olympischen Spiele?
Die waren so prägend, dass ich sie aus meinem Gedächtnis gelöscht habe. Das war wie so eine Art Selbstschutz vom Körper, dass manche Tage einfach verdrängt werden.
Besonders bitter war für Sie der Staffel-Tag, als Sie erst gestürzt sind, lange nur mit einem Stock laufen mussten und beim ersten Schießen viel Zeit verloren haben, weil sich Schnee im Ringkorn gesammelt hat. Können Sie mittlerweile über das Pleiten-Pech-und-Pannen-Rennen zumindest schmunzeln?
Ja, klar. Man kann jetzt schon offen drüber sprechen, aber es ist tatsächlich so, dass ich von diesem Tag echt nicht mehr so viel weiß. Also bis zu dieser Besprechung, als wir erfahren haben, was mit der Evi (Sachenbacher-Stehle musste nach einer positiven Dopingprobe die Spiele verlassen, Anm. d. Red.) ist, weiß ich noch relativ viel. Aber danach war es wie in Trance. Ich war dann völlig überfordert. Und das war ein Rennen, das habe ich mir tatsächlich danach nie wieder angeschaut.
Kommt das häufiger vor, dass Sie sich im Nachhinein noch einmal etwas anschauen?
Ab und zu schon. Aber da geht es eher um technische Aspekte oder wie es beim Schießen von außen ausgeschaut hat.
Auch mal fürs gute Gefühl von einem Sieg?
Da kommt man eher nicht drum herum, weil es einem gezeigt wird (lacht). Also die Szenen aus Oslo habe ich jetzt doch schon des Öfteren gesehen.
Zu Olympia, welche Erwartungen haben Sie an Antholz – nicht nur sportlich?
Mich freut es mega, dass wir endlich mal wieder Olympische Spiele in Europa haben. Und dann auch noch an so einem Ort, wo es große Wintersport-Euphorie gibt, wo es Fans gibt, die Wintersport einfach gernhaben und den auch supporten. Das freut mich am meisten, weil ich habe jetzt an drei Winterspielen teilgenommen – und da war das nie so. Und dafür nehme ich es auch gerne in Kauf, dass es kein olympisches Dorf gibt. Man muss vielleicht irgendwo Abstriche machen. Und da ist es mir lieber, man ist an Orten, die einfach etabliert sind, auch wenn es dann kein Dorf gibt.
Letztes Jahr waren Sie beim Skispringen. Welche anderen Sportarten hätten Sie bei den Spielen gerne besucht?
Ja man würde schon gern mal woanders zuschauen, aber das ging bisher bei keinen Olympischen Spielen, weil wir Biathleten vom Anfang bis Ende selbst so viele Rennen haben. Deswegen war das bei uns nie ein Thema.
Also voller Fokus auf Antholz, wie Sie selbst gesagt haben. Was müsste passieren, dass Sie sagen: „Das war ein geiler Abschluss!“
Wenn man einfach Rennen macht, mit denen man mit sich und seiner Leistung zufrieden ist. Für was es schlussendlich reicht, hat man, glaube ich, eh nicht in der eigenen Hand. Eine Medaille, die passiert dann einfach, sowas kann man nicht planen. Aber klar wäre eine Medaille cool.
Die Medaille bei der WM letztes Jahr war ja auch Ihr großes Ziel. Da hat es geklappt mit dem Plan.
Was ich schon irgendwie merke, ist das mit dem Gesamtweltcup. Das war mein größter Traum. Und was jetzt noch kommt, ist einfach das i-Tüpfelchen. Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich habe.
Wenn Sie auf Ihre Karriere schauen. Welche Eigenschaft an Ihnen schätzen Sie privat, ist aber total hinderlich als Profi?
Dass ich manchmal wahrscheinlich zu empathisch bin.
Gibt es denn auch Momente, in denen Sie sich überhaupt nicht als Profi fühlen?
Wenn, dann eigentlich nur im April. In der Pause, wenn man da mal zwei Wochen im Urlaub ist. Da ist der Sport mal sehr weit weg. Aber ansonsten ist man schon 24/7 Sportler.
Und da sind Sie bekanntlich sehr diszipliniert. Wie schwer fällt Ihnen das?
Das Training ist natürlich das Einfachste. Das macht ja auch Spaß und es fühlt sich immer cool an, wenn man draußen ist. Was für mich manchmal schwieriger ist, dass man im privaten Leben so diszipliniert sein muss. Gerade so über die Weihnachtszeit, wenn man sich echt abschottet und meine Familie draußen treffe – das fällt mir schon immer schwerer natürlich.
Aber das müssen Sie nicht mehr so lange machen.
(lacht) Ja, genau.
Sie beenden Ihre aktive Karriere nach dieser Saison, was steht dann an im Hause Preuß/Schempp?
Ganz konkrete Pläne habe ich noch nicht. Bisher bin ich einfach Sportler. Und das bin ich auch noch ein paar Wochen.
INTERVIEW: ALEXANDER VORMSTEIN