München – Olympia war nicht die allergrößte Erfolgsstory für Martin Schmitt – seine drei Medaillen holte der einstige Ausnahme-Skispringer allesamt mit der Mannschaft. Als Solist blieb ihm Edelmetall versagt. Und doch haben die Spiele für den Eurosport-Experten eine ungebrochene Faszination.
Herr Schmitt, wenn sie in ihrer Zeit als Sportler den heutigen Experten getroffen hätten – wie wäre die Begegnung ausgefallen?
Schmitt: Oh, ich hätte mir gedacht: „Der ist ja nett“. (lacht)
Olympische Spiele haben Sie in beiden Rollen schon kennen gelernt. Was bedeuten ihnen die Spiele, damals wie heute?
Wenn man mal zurückdenkt, als Kind, wo man nicht gewusst hat, wohin die Reise geht. Da war Olympia das Traumziel. Und das gilt eigentlich bis heute. Olympia steht über allem. Da willst du hin. So wie das Prädikat Olympiasieger auf allen Kontinenten das Größte ist. Ich habe immer mitgefiebert, Sommer wie Winter. Und die Faszination hat es bis heute.
Olympische Spiele sind ja auch Begegnung mit anderen Disziplinen. Wie viel macht das aus?
Das ist schon ein großer Teil der Faszination. Auch wenn wir als Skispringer normalerweise nicht im Olympischen Dorf waren, weil die Wettbewerbe sehr verteilt sind. Als Aktiver nimmst du Olympia unterschiedlich wahr. Am Anfang erlebst du die Spiele ziemlich unbeschwert und saugst alles auf. Wenn du als Favorit zu Olympia fährst, wie bei mir 2002, dann ist es schwieriger. Da lernst du Druck kennen, die andere Seite. Und dann hast du nicht ganz so viel viel Auge für anderes. Das ist in der heutigen Rolle für mich natürlich einfacher, wobei die Spiele diesmal schon sehr auseinandergezogen sind. Mal eben zum Eishockey zu schauen wie in Pyeongchang wird schwierig.
Nimmt es der persönlichen Bilanz etwas, dass Ihnen Gold „nur“ im Team gelang?
Ich hatte 2002 mit ein paar Verletzungsproblemen zu kämpfen, auch mit dem Material gab es Probleme. Das waren einfach ein paar Baustellen zuviel, um auch im Einzel etwas gewinnen zu können. Aber das ist etwas, was man akzeptieren muss. Bei so einem Großereignis muss auf den Punkt viel passen und man auch ein bisschen Glück haben. Natürlich war es schon eine Enttäuschung, dass ich damals keine Einzelmedaille geholt habe. In der Situation war es gut, dass wir noch den Teamwettbewerb hatten. Da sind wir einen anderen Ski gesprungen, ein bisschen mehr auf Risiko gegangen und dafür zum Glück belohnt worden.
2002 war Team Deutschland extrem erfolgreich mit insgesamt 36 Medaillen. Spürt man das auch sportartübergreifend?
Ja, das ist schon so. Es wird stets immer auf die erste Medaille für Team Deutschland hingefiebert. Dann kommt das erste Gold und dann ist ein anderer Schwung drin.
Für die aktuellen deutschen Topspringer Philipp Raimund und Felix Hoffmann ist Olympia Neuland. Was kann man ihnen auf den Weg geben?
Vieles kommt auf eine gute Vorbereitung an. Dass man sich selbst in den Tagen vor Olympia zeigt, dass man in Topform ist. Dass man heiß ist. Es ist schwer, hier einen Rat zu geben. Wichtig ist, dass du dich nicht von Gedanken an Ergebnisse ablenken lässt. Du brauchst eine tiefe Überzeugung von deinen Fähigkeiten hast. Gerade dem Philipp traue ich da viel zu. Er gehört nicht zu den absoluten Topfavoriten. Das gilt für das ganze Team. Aber das kann ihm auch helfen, ein bisschen unbeschwerter ranzugehen. Aber…
Bitte?
Das gilt für das ganze deutsche Team. Auch wenn es etwa für einen Andi Wellinger bis dato nicht so gelaufen ist – er weiß auch, dass ihm die Schanzen in Predazzo liegen. Und dass er dort eine komplett neue Chance hat. Zumal er weiß, wie man bei Olympia erfolgreich sein kann.
Allerdings sind die Spiele medial um ein Vielfaches stärker ausgeleuchtet als die Weltcups. Kann man sich vorbereiten?
Ein bisschen schon. Du weißt ja, was dich erwartet. Du weißt natürlich auch, dass da Reporter sind, die Fragen stellen. Auch kritische Fragen. Man weiß ja schon, welche Fragen in welcher Situation kommen werden. Das darf dich nicht überraschen oder aus dem Konzept bringen.
Apropos Fragen: Welche Frage wollen Sie in den nächsten Wochen nie stellen?
Ganz klar: Woran hat es gelegen?
INTERVIEW: PATRICK REICHELT