„Torjubel gegen 1860? Niemals!“

von Redaktion

Mansour Ouro-Tagba, jetzt VfB II, über das Wiedersehen mit seinem Ausbildungsverein

Man kennt sich: Mansour Ouro-Tagba bei einem Zweikampf mit Sean Dulic, der momentan verletzt ist. Beide habe alle Jugendmannschaften des TSV 1860 durchlaufen. © IMAGO / Eibner

München – Elf Jahre lang trug er das Trikot des TSV 1860, wurde an der Grünwalder Straße 114 zu einem vielseitigen Angreifer ausgebildet. Nun trifft Mansour Ouro-Tagba erneut als Gegner auf „seine“ Löwen. Nach kürzeren Stationen in Regensburg und beim 1. FC Köln ist der 21-Jährige beim VfB Stuttgart gelandet – und dort im Angriff der zweiten Mannschaft gesetzt. Unser Interview mit dem togolesischen Nationalspieler.

Herr Ouro-Tagba, am Wochenende geht es gegen 1860. Hört sich vermutlich komisch an, wenn man so lange ein Löwe war?

Auf alle Fälle. Aber wie der Fußball nun mal so ist, trennen sich manchmal die Wege wieder. Umso mehr freue ich mich, die Löwen wiederzusehen.

Wie sehr ärgert das Hinspiel noch, als dem VfB nur Sekunden zum Sieg fehlten?

Immer noch extrem. Wir haben ein super Auswärtsspiel gemacht, die Löwen eigentlich dominiert. Das gewisse Etwas hat uns am Ende gefehlt. Sechzig war da abgezockter.

Regensburg, Köln, Stuttgart. Sie haben einiges erlebt in den letzten eineinhalb Jahren. Man hat den Eindruck, dass Sie nach einigen Anlaufschwierigkeiten beim VfB so richtig angekommen sind?

Auf jeden Fall. Ich wurde hier super aufgenommen. Der VfB gibt mir Vertrauen, lässt mich meine Spielminuten sammeln. Auch das Training mit der ersten Mannschaft ist wichtig.

Erzählen Sie!

Das ist einfach überragend, wenn du im Zentrum gegen Atakan Karazor (VfB-Kapitän/Red.) spielst. Auch von Ermedin Demirovic und Deniz Undav schaue ich mir viel ab. Zu Undav: Im Pokal gegen Kiel macht er wieder ein Tor und eine Vorlage. Von den Zahlen her ist in Europa aktuell auch nur Kylian Mbappé besser.

Bei den Löwen erlebten Sie wilde Zeiten, wurden öffentlich von Ex-Coach Maurizio Jacobacci angezählt. Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?

Das hat mich stark gemacht. Lieber passiert es mir als junger Spieler als später. Manche Trainer zählen auf dich, andere nicht. Ich bin Maurizio Jacobacci dankbar, durfte unter ihm mein Profi-Debüt geben. Nachdem Jacobacci freigestellt wurde, habe ich auch gespielt.

Jacobacci zählte damals eine lange Mängelliste auf: Kopfball, An- und Mitnahme, einfacher spielen. Wo haben Sie sich seither am meisten weiterentwickelt?

Ich wusste selbst auch, dass mein Kopfballspiel für meine Größe nicht allzu prickelnd war. Daran habe ich gearbeitet. Auch mein erster Kontakt hat sich verbessert.

Im Sommer blickten viele verwundert nach Giesing, als die Sechzger einen namhaften Transfer nach dem anderen holten…

Das war echt heftig. Kevin Volland und Florian Niederlechner haben schon in der Champions League und Bundesliga gespielt. Das ist für junge Spieler extrem wertvoll, wenn solche Jungs in deinem Team sind. Das hätte ich damals auch gerne gehabt.

Viele Mitspieler von damals sind nicht mehr da. Haben Sie noch Kontakt zu 1860?

Mit Sean Dulic habe ich ab und zu Kontakt. Ansonsten eher selten, gelegentlich schreibe ich mit den Jungs auf Instagram, mit Jesper Verlaat zum Beispiel. Ab und an laufe ich in München dem einen oder anderen über den Weg.

Ihr Leihvertrag endet im Sommer. Geht es zurück nach Köln?

Wir haben noch nicht gesprochen. Wenn ich meine Aufgaben erfülle, finden die Clubs sicherlich eine gute Lösung. Ich fühle mich sehr wohl in Stuttgart und würde gerne bleiben.

Wie will der VfB die Löwen knacken?

Unsere Stärke ist der Spielaufbau. Wir wollen wie schon im Hinspiel das Spiel kontrollieren. Wenn wir den Ball geduldig laufen lassen, werden irgendwann Lücken entstehen. Die müssen wir dann nutzen.

Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages zu 1860 zurückzukommen?

Ich würde niemals nie sagen. Mal sehen, in welcher Liga Sechzig in der Zukunft spielt. Aktuell bin ich aber sehr glücklich hier in Stuttgart.

Jubeln Sie bei einem Tor?

Nein. Ich werde niemals gegen den TSV 1860 jubeln. Das wäre respektlos. Ohne diesen Verein wäre ich niemals dort, wo ich heute bin. Sechzig habe ich viel zu verdanken.

INTERVIEW: MARCO BLANCO UCLES

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