Vonn-Show und Wellen-Kritik

von Redaktion

Solides Training: US-Girl will Gold mit Kreuzbandriss – DSV-Duo hat etwas dagegen

DSV-Stars: Weidle-Winkelmann (l) und Aicher. © dpa

Besichtigung mit Coach Aksel Lund Svindal. © Bott/EPA

Lindsey Vonn im ersten Training – die US-Amerikanerin träumt von Gold mit gerissenem Kreuzband. © Rellandini/AFP

Cortina – Lindsey Vonn tanzte mit ihren Teamkolleginnen, postete gut gelaunt Bilder auf Instagram und sang zu Musik von Usher. Die US-Amerikanerin hat sich beim ersten Test für ihr lädiertes Knie auch von einer über einstündigen Nebel-Unterbrechungs-Pause nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ihre Message für die Olympia-Abfahrt: Ich bin bereit. Auch mit gerissenem Kreuzband im linken oder Titanplatten im rechten Knie. Das bestätigte auch ihr Trainer Aksel Lund Svindal: „Der Goldtraum lebt.“

Zum zweiten Teil der großen Vonn-Show gehört aber auch, dass die Drama-Queen den Zielbereich wortlos und schnurrstracks verließ. Die Pressearbeit übernahm Svindal – seelenruhig. „Sie hat gut ausgesehen, ich habe keine Probleme erkannt.“ Den kurzen, leicht abschüssigen Weg zum sofort fahrbereiten Shuttle absolvierte das US-Girl flüssig mit Unterstützung der Skistöcke. Beim Einstieg auf den Beifahrersitz war der 41-Jährigen eine gewisse Vorsicht aber anzumerken.

Dass Vonn am Sonntag (11.30 Uhr/ZDF und Eurosport) startet, ist so gut wie sicher. „Man kann ihr dabei nur viel Glück wünschen“, sagte Kira Weidle-Winkelmann, die als eine von vier Fahrerinnen in diesem Winter in einer Weltcup-Abfahrt schon schneller war als Vonn. Sie selbst haderte besonders mit den vielen „nicht natürlichen“ Wellen auf der Strecke – die es sonst in Cortina nie gibt.

„Es will jeder irgendwas Besonderes machen für ein Großereignis und noch mehr Spannung reinbringen“, sagte die Starnbergerin etwas angesäuert und kritisierte: „Ich bin kein großer Fan davon. Unser Sport ist gefährlich genug, ich weiß nicht, warum ich immer noch spitzere Sachen machen muss und noch eine Nase drauf auf einen Sprung.“ Der Zielsprung wurde zwischen den ersten Läuferinnen immer wieder abgetragen. „Er ist immer noch nicht super schön, aber auf jeden Fall fahrbar“, so Weidle-Winkelmann.

Emma Aicher, ebenfalls schon Abfahrtssiegerin in dieser Saison und am Freitag mit Problemen, merkte vor allem die „weichen“ Verhältnisse an, hoffte aber auf kühle Nächte. „Ich habe mich mit dem Untergrund schwergetan“, so die DSV-Medaillenhoffnung. „Aber es ist nichts Neues für mich, dass ich im ersten Training ein bisschen abwartend fahre. Das stresst mich nicht.“

Auch Vonn muss sich dieser Herausforderung stellen – mit gerissenem Kreuzband. Oder doch nicht? Hinter vorgehaltener Hand gibt es längst Spekulationen, wie verletzt die Olympiasiegerin von 2010 tatstächlich ist. „Soweit ich gehört habe, ist das Kreuzband weg“, bestätigte Svindal ohne „die MRT-Bilder gesehen“ zu haben.

Der Norweger erklärte aber auch: „Nach meinem eigenen Kreuzbandriss in Kitzbühel hätte ich nicht fahren können, weil auch der Meniskus und der Knorpel betroffen waren.“ Der Kommentar des damals operierenden Dr. Christian Fink: „Das Kreuzband ist dein kleinstes Problem.“

Vonn habe vielleicht „ein bisschen Glück gehabt“, so Svindal. „Ich habe auch den Eindruck, dass die Schmerzen viel weniger sind, als ich gedacht habe.“ Sein Teamkollege Kjetil Jansrud riss sich 2013 in Schladming das Kreuzband. Der sei danach „herumspaziert“.

Ganz so entspannt sah Lindsey Vonn nicht aus. Aber bereit für den Medaillenkampf. „Ich gebe nicht auf“, sagte sie bereits vor dem Test. „Ich arbeite so hart wie ich kann, um es möglich zu machen.“ Das Ski-Wunder von Cortina.MATHIAS MÜLLER

Artikel 1 von 11