..schlug zweimal hart auf dem Boden auf…
… und blieb schwer verletzt auf der Piste liegen. © AFP (3)
LIndsey Vonn geriet in einer Kurve in Rücklage….
Emma Aicher: 22 Jahre alt und schon Medaillengewinnerin bei Olympia. © Imago
Cortina – Emma Aicher hat geliefert! Intern hatte sie Alpinboss Wolfgang Maier Medaillen angekündigt, und bereits am Sonntag hat die erst 22-Jährige den Worten Taten folgen lassen. Silber in der Abfahrt. Nur vier mickrige Hunderstel hinter Siegerin Breezy Johnson (USA). Die 30-Jährige holte das Gold, das Teamkollegin Lindsey Vonn mit 41 Jahren, Titanknie rechts und akutem Kreuzbandriss links holen wollte. Doch statt des Wunders erlebte die Ski-Welt einen Schockmoment. Vonn stürzte schon in der ersten Kurve augenscheinlich schwer, blieb vor Schmerzen schreiend liegen und wurde mit dem Helikopter abtransporiert. Im Ziel: Totenstille.
Aicher ärgerte sich zuerst ob des geringen Rückstands. „Es hat sich einfach wild angefühlt. Über jeden Sprung hat es mich aufgerissen.“ Da konnte das DSV-Juwel noch nicht absehen, dass sie wenig später die erste deutsche Alpinmedaille bei Olympia seit zwölf Jahren holen würde – auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Abfahrts-Olympiasieg von „Gold-Rosi“ Mittermaier und noch vor Lokalmatadorin und Mitfavoritin Sofia Goggia (+0,59 Sekunden). „Der Knoten ist geplatzt“, jubelte DOSB-Präsident Thomas Weikert. „Emma ist schon jetzt ein echter Star auf der olympischen Bühne.“
Lindsey Vonn, der andere große Star, hat die olympische Bühne – unter den Augen ihrer Schwester, ihres Vaters, Rap-Star Snoop Dogg und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – mit einem Knall verlassen. Aicher konnte die Bilder gar nicht mitansehen. „Ich habe gleich weggeschaut“, sagte die in Schweden geborene Allrounderin. ARD-Experte Felix Neureuther hatte schon vorher die Angst, „dass sie für dieses eine Rennen so versucht, übers Limit drüber zu gehen“. Vonn wurde im Krankenhaus von Cortina erstversorgt, dann ins rund 100 km entfernte Treviso transferiert. Am Abend hieß es, sie habe sich das linke Bein gebrochen (wohl den Unterschenkel) und sei operiert worden.
Aicher gelang die Balance zwischen Aggressivität und Linienwahl sehr gut. „Es ist alles ein bisschen unrealistisch. Es wird dauern, bis ich es gecheckt habe. Ich werde heute den ganzen Tag genießen“, versicherte die 22-Jährige. Der am Ende so knappe Abstand zu Gold wurmte sie überhaupt nicht. „Natürlich würde ich die vier Hundertstel finden, wenn ich sie suchen würde. Aber Breezy hat verdient gewonnen.“
Die Amerikanerin hat nun das Kunststück vollbracht, WM- und Olympiagold in der Abfahrt in der Tasche zu haben, aber nach wie vor keinen Weltcupsieg. „Ich habe keine spezielle Erklärung dafür“, so Johnson. „Ich versuche einfach immer, die großen Momente möglichst normal zu halten.“
Für Aicher muss der Silber-Coup noch lange nicht das Ende sein. Auch im Super-G, im Slalom und im neuen Kombi-Wettbewerb ist das Podest in Reichweite. Bei der Siegerehrung lachte die vor der Kamera bisweilen so zurückhaltende junge Frau und genoss ihren Moment. Die Minuten davor,waren selbst für sie schwer zu ertragen. „Ich bin eigentlich nie nervös“, berichtete Aicher, „aber so nervös wie heute war ich noch nie. Ich ging mir schon selber auf den Sack, weil ich so nervös war.“
Das Zittern war unnötig. Goggia, 2018 zu Gold im Super-G gefahren, lag mehr als eine halbe Sekunde hinter ihr. Kira Weidle-Winkelmann, auf der Tofana WM-Zweite 2021, belegte Rang neun. „Das war nicht zu hundert Prozent optimal. Das war das ein oder andere zu viel Auf-der-Linie-Halten, das hat mir Tempo geraubt“, erklärte die Starnbergerin. MATHIAS MÜLLER