Immer Ärger mit den Schiedsrichtern: Gelbe Karte für Torjäger Sigurd Haugen, der auch am Samstag bester Löwe war. © IMAGO
Keine Sternstunde: Geglänzt haben nur Stuttgarts Talente – für die 1860-Profis endete der Samstag im Frust. © Sampics
Aspach – Als die Zeit knapp wurde, sollte ein Mourinho-Move die Löwen retten. Zwei Wochen zuvor hatte Benfica-Keeper Anatolij Trubin mit einem Last-Minute-Kopfball gegen Real Madrid Champions-League-Geschichte geschrieben. Am Samstag in Großaspach, als der TSV 1860 auf den Ausgleich gegen Stuttgart II drängte, hielt in der Schlussphase auch Thomas Dähne nichts mehr im eigenen Kasten. 1:2-Rückstand, plötzlich Energie, Wucht, Hoffnung. Doch an dieser Stelle endeten die Parallelen. Dähne war kein Trubin-Märchen vergönnt, stattdessen pfiff Schiedsrichter Yannick Sager Stürmerfoul gegen den aufgerückten Keeper. Es passte zu einem rundherum gebrauchten Tag. Der Relegationsplatz ist nach dem fünften sieglosen Spiel in weite Ferne gerückt – Markus Kauczinski kommentierte ernüchtert: „Über den Aufstieg brauchen wir nicht mehr zu reden.“
Das haben sich die Löwen selbst zuzuschreiben. Abgesehen vom schwungvollen Start, ein paar wütenden Minuten nach der Pause (Stand 0:2) und einer beherzten Schlussphase verschlief die Kauczinski-Elf erneut die entscheidenden Spielphasen. Kapitän Thore Jacobsen fand drastische Worte: „Nach dem Gegentor haben wir völlig den Faden verloren. Das war unreif – wir hatten keine Eier.“ Stuttgart dagegen agierte quirlig, handlungsschnell, effizient. Die Treffer von Darvich (20.) und Diehl (26.) fielen gegen eine schlecht sortierte Gäste-Deckung fast ohne Gegenwehr. Erst Sigurd Haugens spätes Anschlusstor (85.) hauchte den Löwen noch einmal Leben ein. Mehr Konsequenz und Kompaktheit hatte Kauczinski noch am Freitag gefordert – am Ende präsentierte sich 1860 als Aufbaugegner für Stuttgarts ersatzgeschwächten Talentschuppen, der zuvor dreimal in Folge verloren hatte. „Die Gegentore sind viel zu billig“, schimpfte der Trainer, „ein langer Ball, drei Kontakte – Tor.“
Diesmal hatte allerdings auch Kauczinski selbst kein glückliches Händchen. Zur defensiven Stabilität trug es kaum bei, dass er seine Hintermannschaft ohne akute Not umbaute. Überraschend setzte er im defensiven Mittelfeld auf den Drittliga-Debütanten Loris Husic (18), Chefabräumer Philipp Maier rotierte auf die ungewohnte Position des rechten Innenverteidigers, Raphael Schifferl mit steinerner Miene auf die Bank. Kauczinskis Begründung: „Ich war mit einigen Dingen nicht zufrieden und hatte das Gefühl, etwas verändern zu müssen.“ Der erhoffte Effekt blieb aus.
Wie so oft in dieser Saison hatten die Löwen auch Anlass, mit dem Schiedsrichtergespann zu hadern. Maier merkte genervt an, er wisse nicht, „ob man sieben Mal Abseits winken muss“. In der umkämpften Schlussphase hätte der eingewechselte Florian Niederlechner gerne einen Elfmeterpfiff gehört: „Mein Gegenspieler will den Ball wegschlagen, trifft aber mich – für mich ist das ein klarer Strafstoß. Ich habe mich lautstark beschwert.“ Auch Kauczinski war überzeugt: „Er trifft ihn eindeutig, das ist ein klarer Elfmeter. Aber wir gewöhnen uns mittlerweile daran, dass so etwas bei uns nicht gepfiffen wird. Es reiht sich ein in eine lange Liste an Fehlentscheidungen gegen uns. Das Ganze ist umso ärgerlicher, weil wir so am Ende ohne Punkt nach Hause fahren.“
Für den TSV 1860 war es das fünfte sieglose Spiel in Folge, die erste Niederlage in 2026 nach drei Unentschieden. Die Blicke richten sich fürs Erste nach unten – und die Aufgaben werden nicht leichter. Am Samstag in Havelse fehlen Volland und Niederlechner, beide sahen ihre fünfte Gelbe Karte.
Wenn ihre Sperren abgelaufen sind, kommt Rostock ins Grünwalder Stadion. Eigentlich sollte es ein Gipfeltreffen werden. Momentan müssen die Löwen eher aufpassen, dass sich die Saison der Träume nicht zu einem Albtraum entwickelt.ULI KELLNER