Gold mit steifem Hals

von Redaktion

Der unerwartete Triumph von Rodler Max Langenhan – Loch gratuliert

Schadensbegrenzung: Mehr blieb Loch nicht. © Michael/dpa

Inmitten einer Traube von Gratulanten: Max Langenhan ist soeben souverän Olympiasieger geworden. © AFP/MARCO BERTORELLO

Cortina – Max Langenhan rauschte mit Tempo 130 durch den Eiskanal, dann breitete er die Arme aus und verdrückte im Ziel Freudentränen. Trotz steifem Hals hat der Rodel-Weltmeister mit einer beeindruckenden Rekord-Show für den ersten deutschen Olympiasieg bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d‘Ampezzo gesorgt. Langenhan fuhr mit vier Bahnrekorden in vier Läufen in einer eigenen Liga und feierte den größten Erfolg seiner Karriere.

Mit 0,596 Sekunden Vorsprung verwies der 26-Jährige im Einsitzer den Österreicher Jonas Müller auf Rang zwei. Dritter wurde wie schon vor vier Jahren in Peking der Italiener Dominik Fischnaller. Dabei hatte Langenhan vor dem Start der Rodel-Rennen noch eine Absage in Betracht gezogen, da er einen steifen Hals hatte. Der 1,90 Meter große Athlet biss sich durch und ist nach Platz sechs in Peking vor vier Jahren nun am Ziel seiner Träume.

Der Weltcupführende Felix Loch aus Berchtesgaden patzte mehrmals und musste sich bei seinen fünften Winterspielen mit Rang sechs begnügen. Nach dem Zieleinlauf wurde er von seinem Vater Norbert in den Arm genommen. Der Chemnitzer Timon Grancagnolo kam auf Rang neun.

Vor dem Start der Rodelwettbewerbe stand für den 100-Kilo-Mann Langenhan sogar eine Absage im Raum, nachdem er seinen Hals kaum bewegen konnte. Dank langer Massagen konnte er sich doch noch auf seinen Schlitten setzen und fuhr in den ersten drei Läufen jeweils Bahnrekord in dem neu gebauten 1445 Meter langen Eiskanal. Vor dem Finallauf baute er seinen Vorsprung auf Müller nochmal auf 0,294 Sekunden aus.

Zur Halbzeit war er nicht zufrieden. „Ich wollte hier bei Olympia vier perfekte Läufe hinlegen. Diese Chance wurde mir mit dem steifen Hals genommen. Ich war froh, dass ich den Hals überhaupt ein wenig bewegen konnte“, sagte Langenhan. Notfalls müsse eine Spritze helfen, damit sich die Muskulatur entspannen könnte. Diese Option wollte er sich für den zweiten Wettkampftag oder für den Notfall aufsparen.

Bei aller Enttäuschung über sein eigenes Abschneiden lobte Loch die Leistung seines langjährigen Zimmerkollegen Langenhan. „Er ist einfach ein cooler Hund. Das hat er schon oft bewiesen.“ Langenhan, der am vorletzten Olympia-Tag am 21. Februar seinen 27. Geburtstag feiert, kommt aus der Party-Stimmung nicht mehr raus. Der Thüringer aus Ernstroda bei Friedrichroda hat eine riesige Fangemeinde dabei, dazu seine Eltern, seine vier Geschwister und seine Freundin Susanne. Allein 100 Fans verfolgten seinen Gold-Coup. DPA

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