Nico Schlotterbeck bläst zum Angriff auf die Bayern und feiert den Siegtorschützen Serhou Guirassy (re.), der gegen Wolfsburg spät das 2:1 erzielte. © Hartmann/AFP
Wolfsburg – Während sich seine Teamkollegen mit markigen Meisteransagen noch zurückhielten, legte Nico Schlotterbeck voller Überzeugung nach. „Die Jungs haben unter der Woche gemerkt, wie sehr ich dafür brenne“, betonte der Nationalspieler am Sky-Mikrofon. Immerhin spiele man bei Borussia Dortmund, „um gewisse Dinge zu gewinnen“. Mit dem glücklichen 2:1 (1:0) beim kriselnden VfL Wolfsburg macht der BVB dem Spitzenreiter Bayern München im Titelrennen zumindest weiter ordentlich Druck.
„Es ist extrem wichtig, dass wir den Fokus und vor allem den Glauben daran haben, oben anzugreifen“, erklärte Schlotterbeck, der bereits eine Woche zuvor mit seinen forschen Titelansagen für Aufsehen gesorgt hatte. In Abwesenheit des verletzten Emre Can lief der Verteidiger in Wolfsburg als Kapitän auf – und war sich seiner Verantwortung bewusst.
„Wenn ich sage“, so Schlotterbeck, „wir wollen vorangehen, wir wollen die da oben angreifen, dann gebe ich die Marschroute vor. Dann müssen die Jungs nachziehen und das haben sie heute gemacht.“ Wenn auch mit Mühe. Selbst Trainer Niko Kovac räumte ein, dass seine Mannschaft das Spiel „mit Glück, aber auch mit Qualität“ gewonnen habe.
So oder so ist der BVB nach dem 14. Bundesligaspiel ohne Niederlage in einer sehr guten Ausgangslage, um den Münchnern noch einmal gefährlich zu werden. Der Abstand schmolz nach dem Erfolg in Wolfsburg, den Matchwinner Serhou Guirassy (87.) spät gerettet hatte, vor dem Topspiel der Bayern gegen Hoffenheim (nach Redaktionsschluss) auf drei Punkte.
Allzu weit wollte sich jedoch niemand, abgesehen von Schlotterbeck, aus dem Fenster lehnen. „Der Schlotti mag es, vorzupreschen. Das ist dann auch gut so“, sagte Julian Brandt mit einem Grinsen im Gesicht. Er selbst komme aus dem Norden, „wir sind ein bisschen demütiger, das ist aber völlig in Ordnung“.
Doch auch Brandt, der den Sieg mit seinem ersten Kopfballtor (38.) für den BVB eingeleitet hatte, hat das Titelrennen im Hinterkopf. „Es hat bislang niemand davon gesprochen, dass wir an irgendeinem Punkt aufgegeben haben“, betonte er. „Meister werden will von uns jeder – jede Saison.“
Doch Brandt ist klar, „dass auch viele Sachen noch dazu kommen müssen“, damit der Rückstand am Ende kleiner werde. Aber der BVB hat am 28. Februar, wenn die Münchner zum direkten Duell nach Dortmund kommen, „sogar die Chance, persönlich daran noch mal was zu schrauben“.
Zuvor müssen die Dortmunder am Freitag (20.30 Uhr/Sky) gegen den FSV Mainz 05 nachlegen – und das ohne Schlotterbeck, der mit seiner fünften Gelben Karte die Personalnot in der Abwehr verschärfte (neben Can fehlt auch Filippo Mane verletzt). Schlotterbeck will derweil trotz der Sperre versuchen, seine Teamkollegen „heiß zu machen“, wie er bei DAZN erklärte: „Ich glaube, dass die Jungs das am Freitag hinkriegen.“SID