Super Bowl

Darnold vertreibt die Dämonen

von Redaktion

Seahawks fegen souverän über die Patriots – mit stillen Helden

Ohne Chance: Drake Maye. © Torres/EPA

Krönung: Sam Darnold. © Slocum/DPA

Santa Clara – Im Moment des großen Triumphs schob Quarterback Sam Darnold die Scheinwerfer möglichst rasch von sich weg. Mit der Super-Bowl-Trophäe in der Hand richtete der Spielmacher einen Appell an die Fans seiner Seattle Seahawks. „Hey, macht mal Lärm für unsere Verteidigung.“ Und auch Trainer Mike MacDonald wollte keinesfalls alleine im Rampenlicht stehen und reckte den silbernen Pokal nur gemeinsam mit seinen wichtigsten Spielern nach oben.

Nach dem beeindruckend souveränen 29:13 gegen die New England Patriots im phasenweise langweiligen Finale der National Football League war den Hauptdarstellern ihre Hauptrolle bei der Siegerehrung spürbar unangenehm. Ganz anders als in der jüngeren Vergangenheit, als Travis Kelce als Feierbiest der Kansas City Chiefs oft für die Stimmung sorgte oder Tom Brady seine sieben Super-Bowl-Triumphe mit großen Gesten feierte.

Runningback Kenneth Walker III. wurde verdient zum wertvollsten Spieler gewählt. Gewonnen hatten die Seahawks allerdings nicht wegen überragender Einzelleistungen, sondern weil sie die Fähigkeiten ausspielten, die sie im Vorfeld schon zum Favoriten gemacht hatten: Stark in der Abwehr, gefährlich genug im Angriff, Fehler vermeiden und als Team auftreten.

Selbstvertrauen, das ja. Aber Bescheidenheit ist eine Tugend in Seattle. Und so verwies Darnold auch sofort auf sein Umfeld, als er auf dem Podest bei der Siegerehrung und im US-Fernsehen die obligatorischen Interviews gab. „Es ist unglaublich. Alles, was passiert ist in meiner Karriere“, sagte er. Der Spielmacher galt in seiner NFL-Laufbahn schon als gescheitert – und feierte nun im 60. Super Bowl den großen Triumph. „Alle meine Teamkollegen haben an mich geglaubt, ich habe an mich geglaubt wegen meiner Familie und Freunde. So lange du an dich glaubst, ist alles möglich.“

Nicht Josh Allen, nicht Baker Mayfield, nicht Lamar Jackson, sondern Darnold ist der erste der prominenten Quarterbacks, die 2018 in die NFL kamen, der einen Super-Bowl-Sieg vorzuweisen hat. Dabei wurde er bei den New York Jets und den Carolina Panthers als gescheitert abgestempelt, die San Francisco 49ers und die Minnesota Vikings hielten ihn zumindest für austauschbar. In Seattle sind sie froh, dass sie vor einem Jahr auf die Karte Darnold gesetzt haben.

Der Quarterback war im Levi‘s Stadium nicht der Mann für die großen Momente, erledigte aber den wichtigsten Teil seines Jobs: Er behielt die Kontrolle. Bis weit nach der Halbzeit kamen die einzigen Punkte für Seattle durch Field Goals, am Ende hatte Kicker Jason Myers mit fünf Treffern einen Super-Bowl-Rekord aufgestellt. Doch die Patriots um den jungen Spielmacher Drake Maye hatten eben lange gar keine Punkte auf der Habenseite und lagen zwischenzeitlich 0:19 hinten.

Darnold behielt seine weiße Weste bis zum Schluss und erlaubte sich in den Playoffs und dem Super Bowl keinen einzigen Ballverlust. „Ich weiß, wir haben den Super Bowl gewonnen, aber wir hätten etwas besser sein können im Angriff“, sagte Darnold. „Aber das ist mir jetzt gerade wirklich egal.“ Zeit zum Genießen.DPA

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