ZUM TAGE

Dieser Medaillenspiegel ist Blödsinn

von Redaktion

Die Währung des Sports

Alle zwei Jahre wieder gibt es ihn mehrere Wochen lang täglich: den Blick auf den berühmten Medaillenspiegel. Welches Land hat die besten Sportler? Wer steht am Ende ganz oben?

Doch das Spiegelbild ist verzerrt. Die traditionelle, altmodische und schlichtweg unfaire Zählweise der Medaillen gehört überholt. Vor vier Jahren stand Deutschland (12xGold, 10xSilber und 8xBronze) auf Rang zwei hinter Norwegen (16, 8, 13). Etwas weiter hinten wird deutlich, wie lächerlich das Prinzip ist, dass eine Goldmedaille mehr wiegt als zigmal Silber und x dritte Plätze zusammen. Die Athleten aus Russland etwa standen vor vier Jahren insgesamt 32 Mal auf dem Podium. Weil sie allerdings „nur“ sechs Olympiasiege feiern konnten, lagen sie in der Endabrechnung auf Rang neun. Eine kleine Aufzählung der Erfolge von besser platzierten Nationen: China auf Platz drei mit 15 Medaillen (9xGold), die Niederlande wurden Sechster (17, 8x Gold) oder die Schweiz auf Rang acht mit 14 Mal Edelmetall (davon 7xGold).

Wenn man die Leistungen fair beurteilen will, dann wäre ein Punkte-Prinzip sinnvoller. Für Gold gibt es drei Zähler, für Silber zwei und für Bronze noch einen. So würden wirklich alle Podestplätze zählen und nicht erst als Tiebreak-Regelung ins Gewicht fallen.

Außerdem ist das Olympia-Programm ebenfalls dafür ausschlaggebend, wer am Ende die Nase vorne hat. „Wir“ – also Sportdeutschland – profitieren hier z.B. von unseren Strukturen im Eiskanal. Mit (bald wieder) vier Bahnen haben die deutschen Bob-Fahrer, Rodler und Skeletonis einen großen Vorteil gegenüber den meisten Nationen. Die Niederlande – als Eisschnelllauf-Land bekannt – räumen regelmäßig im Oval ab. Vor vier Jahren kam nur eine Medaille nicht aus der Eishalle. Gut, dafür kann der Medaillenspiegel nichts. Aber auch das steht zwischen den Zahlen, die man differenzierter betrachten sollte. Die besten Strukturen in vielen Disziplinen gibt es nun mal in Norwegen, wo Wintersport einen noch höheren Stellenwert hat als in Süddeutschland. Es wäre keine Überraschung, stünden die Skandinavier bei der Abschlussfeier wieder einmal ganz oben.

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