Karls Kampf gegen die Mini-Krise

von Redaktion

Talent lässt sich von Spott im Netz nicht beirren – Nagelsmann schaute zu

Übersteiger-Pech: Für einen missglückten Trick musste Karl sich auch Hoffenheimer Häme gefallen lassen. © Screenshot

München – Natürlich sollte man ein verunglücktes Dribbling nicht überinterpretieren, trotzdem stand die Szene irgendwie sinnbildlich für Lennart Karls aktuelle Situation: Beim 5:1 gegen die TSG Hoffenheim kam das Talent nach seiner Einwechslung nahe der rechten Seitenauslinie an den Ball und setzte zum Kabinettstückchen an. Übersteiger nach links, Übersteiger nach rechts – und mittendrin verlor Karl die Kontrolle über den Ball und bugsierte ihn unglücklich ins Aus.

Von Gegenspieler Alexander Prass gab es dafür höhnischen Applaus und einen sarkastischen Daumen nach oben, auch in den Sozialen Medien machten sich viele über die Aktion lustig. Tatsächlich beschreibt die Szene aber Karls aktuelle Lage nicht nur passend, weil sein Dribbling verunglückt ist – sondern weil sich darin ebenfalls zeigt, wie gefestigt der Angreifer schon in jungen Jahren ist.

Der 17-Jährige stellt sich trotz seiner Panne den Fragen der Reporter

Als Reaktion auf den Daumen und die hämischen Kommentare im Netz duckte sich Karl nämlich nicht weg, so wie es für einen 17-Jährigen vollkommen normal und in Ordnung wäre. Stattdessen stellte sich das Talent selbst nach einem etwas verunglückten Abend wie am Sonntag noch selbstbewusst den Fragen der Reporter. „Man kann nicht immer die perfekte Leistung zeigen“, erklärte Karl zur ersten Mini-Krise in seiner noch jungen Karriere.

Schließlich ging es bis zum Jahreswechsel für ihn nur steil nach oben, im neuen Jahr sitzt Karl dagegen häufiger wieder auf der Bank und kommt auf „nur“ zwei Scorerpunkte in den Partien gegen Köln und Eindhoven. Das hängt logischerweise auch damit zusammen, dass mit Jamal Musiala ein weiterer Offensivspieler wieder zurück ist und seinen Platz beansprucht – gleichzeitig scheint Karl selbst eine kleine Form-Delle zu haben.

„Ich will einfach weiter Vollgas geben, im Training und im Spiel. Dann kommen die Leistungen wieder“, sagte der Offensivspieler. Auch er kann seine Leistungskurve realistisch einordnen. „Ich bin 17 Jahre alt – also muss ich einfach weiter machen.“

Max Eberl wollte die Formschwankung Karls ebenfalls nicht zu hoch hängen: „Er hat eine herausragende Hinrunde gespielt. Jetzt kennen die Gegenspieler aber seine Stärken. Jetzt muss er körperlich und mit seinen fußballerischen Stärken die nächsten Schritte gehen“, so der Sportvorstand. „Aber das macht er völlig entspannt, weil er die Lust dazu hat, zu lernen. Ich bin mir sicher, dass er noch sehr, sehr wichtige Tore und Aktionen für uns haben wird.“

Diese würden Karl auch dabei helfen, seinem WM-Traum im Sommer einen Schritt näher zu kommen. Trotz seiner starken Leistungen in der Hinrunde wartet er bislang nämlich noch auf eine Kadernominierung für die A-Nationalelf.

Am Sonntag saß nun Julian Nagelsmann auf der Tribüne in der Allianz Arena und hatte sicherlich auch Karl dabei genau im Blick. In den nächsten Wochen wird der Bundestrainer dabei sicherlich verfolgen, wie Karl sich aus der ersten Formdelle seiner jungen Karriere heraus kämpft.

Die nächste Möglichkeit für eine Nominierung wäre bei den Länderspielen Ende März gegen die Schweiz (27. März) und Ghana (30. März). V. TSCHIRPKE, M. BONKE

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