RODELN

Mit „Arschgefühl“, aber ohne Stress

von Redaktion

Die Doppelsitzer-Tobis könnten einen deutschen Gold-Rekord aufstellen

Die Finger nach oben: Wendl (re.) und Arlt könnten in Cortina einen deutschen Goldrekord aufstellen. © Schutt/dpa

Cortina – Als Kind wollte beide lieber im Einer fahren, dass sie es auf Wunsch der Trainer dann doch miteinander probierten – eigentlich nur einmal, damit Ruhe ist – hat sich ausgezahlt. Sechs olympische Goldmedaillen haben die Doppelsitzer-Tobis schon eingeheimst. In Cortina soll der nächste Doppelschlag folgen. Schon eine weitere Medaille würde einen deutschen Rekord bedeuten.

„Wir haben den Druck von außen, von den Medien Aber wir müssen keinem mehr etwas beweisen, wir haben keinen Stress“, sagte Werndl bei der offiziellen DOSB-Einkleidung kurz vor den Spielen. Oder war es doch Arlt? So harmonisch wie das Duo auf dem Schlitten liegt, so präsentieren sie sich auch im Pressegespräch. Keiner fällt dem anderen ins Wort, einer ergänzt den anderen. Sogar der Redeanteil ist gefühlt 50:50 aufgeteilt.

Ob das auch für Arbeit im Rennen gilt? Nicht, wenn es nach Wendl geht. Der 38-Jährige liegt oben und lenkt. „Nur grob“, kontert Arlt, ebenfalls 38, den „ich kümmere mich um die Feinjustierung“. Da sei „Arschgefühl“ gefragt. Die Tobis – sogar ihre Geburtstage liegen nur 14 Tage auseinander – blödeln gerne herum und wissen sich zu verkaufen. Können aber ebenso hart arbeiten. Im Olympia-Sommer geht „nochmal die Wiederholung mehr“, sagt Arlt, „man ist fokussierter“.

Ob das alleine für die Eisrinnen-Magie ausreicht? Vermutlich nicht, doch ganz in die Karten lassen sie sich nicht schauen. Ihr Schlitten ist vom Grundgerüst der gleiche wie 2018 in Pyeongchang, Details am System werden ständig überarbeitet. Zusammen mit Technik-Guru Christian Thurner, der vor vier Jahren geräuschlos den legendären Hacklschorsch ablöste, wird sogar bis auf Millimeter an der Größe der Handschuh-Spikes gefeilt.

Diskussionen wie in einer Ehe

Bei aller trauten Zweisamkeit herrscht nicht immer automatische Einigkeit, zum Beispiel bei der Wahl der Schiene. „Wenn wir mal uneinig sind, musst du nach 20 Jahren mit schlagkräftigen Argumenten kommen“, sagt Wendl. „Wie in einer Ehe.“ Die Bahn hatten beide schnell ins Herz geschlossen. „Das war Freundschaft von der ersten Fahrt weg“, erklärt Arlt. Normalerweise tastet man sich an neue Strecken erst heran. In Cortina ging‘s gleich vom Wettkampfstart in die Vollen. „Das machen wir sonst nie. Aber wir dachten, da brauchen wir uns nicht herunterbremsen.“MATHIAS MÜLLER

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