Stephanie Spirra-Hohenstein: Nein, stop, so heißt sie ja gar nicht, die ARD-Moderatorin. © Screenshot
Ab dem dritten, vierten Tag kann es einem als Olympia-Dauerschauer passieren, dass man etwas dömmselig im Kopf wird. Wenn dann noch ein Glas Blauburgunder dazukommt, beim Winzersport, fahren die Curlingsteine im Kopf Kettenkarussell. Dann befindet man sich mental im Südtiroler Valle dei Valium, und es schießen einem dubiose Fragen durchs Oberstübchen.
– Warum heißen die alle Müller-Irgendwas? Letztens hat uns Katrin Müller-Hohenstein schon um 15.53 Uhr einen schönen Abend gewünscht. Und sie wusste partout nicht mehr, äh, äh, wohin sie zum Snowboard abgeben muss, nach Fiasco di Neve oder nach Dolomiti Dramatico. Die Weltbotschafterin des Norwegerpullis verliert in ihrer Mainzer Olympia-Isolationshaft völlig das Gefühl für Zeit und Raum. Und wie wir uns so Sorgen machen, fällt uns auf, dass jetzt 50 Prozent aller Olympia-Moderierenden bei ARD und ZDF Müller-Irgendwas heißen. Müller-Spirra, Müller-Hohenstein – da steckt doch bestimmt die Baerbock dahinter. Das wird eng für Jochen Ohne-Müller-Breyer.
– Wo steckt Carsten Sostmeier? Mangels Reitsport wird der Hufpoet schmerzlich vermisst. Als Sostmüller wäre er bestimmt dabei. Zum Beispiel beim Eiskunstlaufen: „Sie schweben übers Eis, als würde eine Schneeflocke auf einem Sonnenstrahl reiten. Das ist kein Sport, das ist ein Morsecode der Liebe.“ Oder beim Skispringen: „Diese Flugkurve, so majestätisch wie der Hals eines Schwans vor der Landung auf dem Schwanenteich.“ Sogar der Sturz von Lindsey Vonn wäre mit Sostmeier erträglicher gewesen: „Nun liegt sie da, im Puderzucker der Götter. Neben sich die treuen Bretter, die eben noch ihre Flügel waren. Doch selbst im Liegen ist sie größer als alle anderen im Stehen.“
– Wie sympathisch ist Emma Aicher? Beim steifen ZDF-Video-Interview mit dem Müller-losen Breyer hat man dazu nichts erfahren. Aber beim Olympia-Schmuckstück „Forza FaBi“ auf Eurosport ist sie aufgetaut. Fabian Hambüchen ist höchstpersönlich mit ihr durch den Schnee gestapft und hat sie ins Studio gebracht. Auf der Couch mit Fabi und mit Birgit Nössing freute sich Silber-Emma: „Heute wär’s echt schwierig, mir den Tag zu verderben.“ Dann gratulierte ihr auch noch WG-Mitbewohnerin Nella Knauß: „Ich trag jetzt als Österreicherin stolz mein Team-Germany-Gwandl.“ Eishockey-Fex Patrick Ehelechner meldete sich vom Training der Kanadier, und Hambüchen führte im Studio den Rückwärts-Salto von Eiskunst-Genie Ilia Malinin vor. Sappradi, ist das schön, wenn man als Zuschauer so nah dran ist an Olympia.
– Was ist gut bei ARD und ZDF? Als „Wortschau“ oder als „Aktuelles Wortstudio“ ist Olympia aus Mainz top. Gestern früh im Ersten bei Stephanie Spirra-Hohenstein wurde erst mal nur gesprochen, über Fleischbällchen und über Gold-Rodler Max Langenhan, zu dem Sprech-Stephie ankündigte: „Wir versprechen, nachher mit ihm zu sprechen.“ Denn: „Darüber wollen wir natürlich reden.“ Und über alles andere auch. Wobei es Lichtblicke gibt. Das Müller-Hohenstein-Interview mit den Nordischen Kombiniererinnen um Nathalie Armbruster, die die IOC-Greise nicht starten lassen, war emotional und empathisch. Das wär’s doch: Gebt KMH eine Olympia-Talkshow – und den Sport schauen wir bei Eurosport.JÖRG HEINRICH