Wenn Nummer 1 Nummer 2 liebt

von Redaktion

Der erstaunliche globale Erfolg der Eishockey-Serie „Heated Rivalry“ – NHL-Chef begeistert

Sie haben angebandelt – und noch soll es keiner wissen: Shane Hollander (l.) und Ilya Rozanov heißen die Charaktere der Eishockey-Erfolgsserie aus den USA. © –

München – Der Streamingdienst HBO Max ist in Deutschland gerade erst gestartet, mehr als die erste 45-Minuten-Episode von „Heated Rivalry“ konnte man hierzulande noch gar nicht sehen – dafür ist das Echo aber schon gewaltig. Von einem weltweiten Phänomen ist die Rede, denn auch in Russland, das derzeit aus naheliegenden Gründen von globalen Informationsströmen abgeschnitten ist, hat die Serie auf verschlungenen Wegen ihre Anhängerschaft gefunden. In Nordamerika lief „Heated Rivalry“ bereits komplett durch, und Gary Bettman, der Chef der kanadisch-amerikanischen Profiliga NHL, die in den nächsten Tagen bei Olympia den großen Aufschlag vollführen wird, bekannte: „Ich habe alle sechs Teile in einer Nacht durchgeschaut.“

Was überrascht: „Heated Rivalry“ wird angenommen, ohne dass eine große Kontroverse ausgebrochen wäre. Dabei verspricht das Thema Brisanz: Ein schwules Paar im Männer-Eishockey, in dem es auf höherer Ebene noch kein Coming-Out gegeben hat. Die HBO-Serie treibt es gleich auf die Spitze: Die beiden Spieler, die sich näherkommen, sind die beiden Besten ihres Jahrgangs. Der Russe Ilya Rozanov und der Kanadier Shane Hollander, fiktive Charaktere, werden im Draft von 2009 als Nummer eins und zwei gezogen. Von Boston und Montreal, zwei der sechs Original-Standorte der NHL. Gut, aus den Bruins werden in diesem Film die Raiders, aus den Canadiens die Metropolitans. Die NHL ist in die Produktion nicht involviert. Aber kein bisschen unglücklich mit ihr. Sie erreicht mit der Saga um Rozanov und Hollander neue Zielgruppen: mehr Frauen – und die LGBTQ-Community, mit der Profieishockey sich schwer tut. Nicht alle 32 NHL-Clubs machen mit bei Pride-Aktionen, die die Liga ausgerufen hat.

Für romantische Geschichten, die sich im Sportumfeld zutragen, gibt es einen großen Markt. Auch in Deutschland, wo die Historikerin Carolin Bendel unter dem Pseudonym Poppy J. Anderson sich mit Titeln wie „Touchdown fürs Glück“ und „Hearts on Ice“ zu einer Millionenauflage schrieb. Auch „Heated Rivalry“ basiert auf einem (US)-Roman.

Die erste Folge ist nun in Deutschland gelaufen. Mit expliziten Sexszenen – und mit mehr humoristischer Leichtigkeit als der Schwere, die man in einem Identitätsthema vermuten würde. Man hat ja schon gehört: Nummer eins und zwei werden später heiraten und in einem Team spielen. Ist das nicht schön?GÜNTER KLEIN

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