Johan-Olav Botn denkt an Bakken. © Schmidt/dpa
Stark: Nawrath schoss nur einen Fehler. © Marit/AFP
Antholz – Philipp Nawrath gab noch einmal alles und fiel dann hinter der Ziellinie völlig erschöpft in den Schnee. Doch aus der erhofften zweiten Medaille bei den Olympischen Winterspielen wurde es für die deutschen Biathleten nichts: Nach dem Bronze-Coup mit der Mixed-Staffel belegte der 32-Jährige im Einzel über 20 km den fünften Rang. Ein kleiner Fehler bei der ersten Schießeinlage war beim emotionalen Olympiasieg des Norwegers Johan-Olav Botn letztendlich zu viel.
Botn triumphierte in Antholz nach einer fehlerfreien Schießleistung vor dem Franzosen Eric Perrot (1/+11,7 Sekunden) und seinem Teamkollegen Sturla Holm Lägreid (1/+48,3). Der erkennbar bewegte Norweger zeigte mit dem Finger in den Himmel und rief beim Zieleinlauf in Gedenken an seinen im Dezember verstorbenen Kumpel Sivert Guttorm Bakken: „Sivert, wir haben es geschafft.“ Danach flossen die Tränen in Strömen.
Er habe die ganze Zeit an Bakken gedacht, sagte Botn nach seinem Sieg überwältigt. Daran, „dass wir zusammen jeden Tag trainiert haben, genau für das hier. Das war das große Ziel für uns beide. Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn auf der Schlussrunde bei mir hatte. Ich hoffe, er hat zugeschaut.“ Der 26-Jährige hatte seinen Freund im Dezember tot aufgefunden.
Vor Nawrath (1/1:31,5 Minuten) kam noch der überraschend starke Olli Hiidensalo aus Finnland (0/1:29,7) ins Ziel. Nun liegen die deutschen Hoffnungen auf Franziska Preuß. Deutschlands Sportlerin des Jahres will sich am Mittwoch (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) die erste Einzelmedaille ihrer Karriere sichern. „Jetzt versuchen wir, auf der Welle weiterzusurfen“, hatte Preuß nach Bronze mit der Mixed-Staffel gesagt.
Neben der 31-Jährigen sind noch Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz und Selina Grotian am Start. Das Team „habe definitiv noch was vor“, betonte DSV-Sportdirektor Felix Bitterling.
Bei den Männern klappte dies über 20 km nicht nach Wunsch. David Zobel (2 Fehler) wurde 20., Lucas Fratzscher (2) belegte Rang 22, Philipp Horn (4) musste sich mit Rang 40 zufrieden geben.
Dennoch: „Das hat definitiv Spaß gemacht, obwohl ich mich körperlich alles andere als gut gefühlt habe“, sagte Olympia-Debütant Zobel. Bedient war dagegen Horn: „Ich bin enttäuscht. Das hat mich angekotzt. Ich kann nicht sagen, was genau passiert ist.“ SID