Der Raketenrucksack soll die Angst vor Speed nehmen.
Unbekümmert: Finn Sonnekalb. © Hessland-Wissel/Imago
Mailand – Das deutsche Eisschnelllaufen lag am Boden, aber er hat es wiederbelebt: Finn Sonnekalb! Der 18-Jährige ist in dieser Saison aus dem Nichts in die Welt-Elite geflitzt. Ein Raketenstart – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Sonnekalb trainiert unter anderem mit einem sogenannten Raketenrucksack. „Wir machen einen Großteil unserer Geschwindigkeit in der Kurve. Wer eingangs Angst hat, weil er denkt, zu schnell zu sein, der hat verloren“, erklärt Trainer Harald Harnisch im NDR. Der zuätzliche Antrieb auf dem Rücken soll helfen, diese Angst zu nehmen.
Wobei Sonnekalb trotz seiner Jugend kein Charakter ist, der zurückschreckt. Er sagt Sätze wie: „Jedes Mal, wenn ich auf der Bahn stehe, will ich gewinnen.“ Oder: „Ich möchte nicht sagen, dass jemand schneller ist. Ich mag das nicht.“ Im Wettkampf belastet er sich bis „über die Kotzgrenze“ hinaus. Mit dieser Einstellung hat er es bereits weit gebracht. Der Erfurter debütierte diesen Winter erstmals im Weltcup und lief dabei auf Anhieb unter die besten zehn und dann sogar auf das Treppchen. Die Olympia-Norm war damit geknackt.
Und jetzt? „Ich würde gerne in die Top-Plätze laufen“, sagte Sonnekalb vor seinem ersten Auftritt heute über die 1000 m – seine Nebenstrecke. Auf seiner Paradestrecke 1500 m (19. Februar) liebäugeln so manche gar mit Edelmetall – es wäre die erste für den Verband nach zuletzt drei olympischen Nullrunden. „Ich mache mir da wirklich keine Platte. Ich mache mein Ding und gucke, wofür es reichen wird“, so Sonnekalb.
Auch Anni Friesinger, dreifache Olympiasiegerin, ist längst auf den Neuling aufmerksam geworden. „Der wird seinen Weg machen. Vielleicht klappt es bei Olympia. Aber es bringt nichts, ihm zusätzlich Druck zu machen“, sagte die Inzellerin unserer Zeitung.
Selbstverständlich fiebern auch die Eltern des Shootingstars mit. Papa Gerrit Schädler bescherte der Coup seines Filius eine besonders Anreise. Die beiden wetteten 2024: Sollte es Finn zwei Jahre später nach Italien schaffen, strampelt der Papa mit dem Rad von Erfurt nach Mailand. In Raketengeschwindigkeit, versteht sich. Schädler schaffte rund 130 km pro Tag.MATHIAS MÜLLER