5 sieglose Spiele in Folge verursachen nicht nur körperlich Schmerzen © Stefan Matzke
Gernot Mang, Präsident von 1860 München
Doch noch ein Neuzugang: Aber als rechte Hand von Geschäftsführer Paula – Mang kündigt einen Ex-Löwen an. © IMAGO
München – Drei Punkte aus fünf sieglosen Spielen – für Trainer Markus Kauczinski ist der Aufstieg erst mal abgehakt. Und wie sieht es der Präsident? Im exklusiven Interview mit unserer Zeitung nimmt Gernot Mang (57) ausführlich Stellung zur Lage der Löwen.
Wie optimistisch schauen Sie noch auf die Tabelle?
Man muss das realistisch sehen: Wenn man aus vier Spielen nur drei Punkte holt, reicht das aktuell einfach nicht, um über den Aufstieg zu sprechen.
Wie bewerten Sie die letzten Auftritte des Teams?
Ich bin sehr enttäuscht. Ich habe mir deutlich mehr erwartet – vor allem an Kampf, Siegeswillen und Mentalität. Man kann gegen starke Gegner wie Essen oder in Osnabrück unentschieden spielen, das ist in Ordnung. Aber das Auftreten danach, etwa gegen Aachen oder jetzt in Stuttgart, hat mich sehr gestört. Nach Rückschlägen bricht zu viel zusammen.
Die Saison ist trotzdem noch lang. Wie geht man jetzt damit um? Findet man sich mit Mittelmaß ab?
Auf keinen Fall. Jetzt muss analysiert werden, woran es liegt, und an den richtigen Stellschrauben gedreht werden. Ich vertraue dem Trainerteam.
War es ein Fehler, in der Winterpause personell nicht nachzurüsten?
Nein, absolut nicht. Mich ärgert diese Diskussion. Auf der einen Seite fordern alle, wir sollen auf die Jugend setzen, auf der anderen Seite heißt es plötzlich, wir müssen neue Spieler holen und Geld ausgeben. Das passt nicht zusammen.
Wie verhindern Sie, dass die Saison jetzt austrudelt?
Wir haben noch klare Ziele. Die Quali für den DFB-Pokal ist ein wichtiges Thema, dazu der Sieg im Totopokal. Es gibt keinen Grund, jetzt alles abzuschreiben. Aber ich erwarte eine deutliche Leistungssteigerung.
Droht im Sommer der nächste große Umbruch?
Nein. Diese Gefahr sehe ich überhaupt nicht. Wir wollen keinen großen Umbruch, sondern ein stabiles Gerüst. Klar ist: Wir brauchen eine bessere Ausgewogenheit und mehr Geschwindigkeit im Kader.
Es gibt Gerüchte, wonach der TSV 1860 kommende Saison mit einem Basisetat von rund drei Millionen Euro kalkulieren muss. Können Sie das bestätigen?
Nein. Das sind Gerüchte, die gestreut wurden, um Unruhe zu stiften. Intern wird natürlich über Zahlen gesprochen.
Wie sehr hängt die Etatplanung von Hasan Ismaik ab?
Wir planen gemeinsam für die nächste Saison. Die Zusammenarbeit ist nach wie vor gut.
Wird sich die sportliche Führung weiter verändern?
Ja, es wird zusätzliche Unterstützung geben. Das ist relativ konkret. Die Präsentation wird zeitnah erfolgen.
Ein Ex-Löwe?
Ja (grinst). Aber nicht der Name, den viele vermuten.
Thema Stadion. Wann rechnen Sie mit Ergebnissen der Machbarkeitsstudie?
Wir gehen davon aus, dass sie bis Anfang Juni abgeschlossen ist. Erste Tendenzen erwarten wir bereits im April oder Mai.
Bleiben Sie optimistisch – auch über die Kommunalwahl hinaus?
Ja. Ich spüre fraktionsübergreifend Unterstützung für den Ausbau des Stadions.
Was ist ein realistisches Ziel für die nächsten Jahre?
Sportlich die 2. Liga. Wirtschaftlich schwarze Zahlen. Strukturell das Stadion auf den Weg bringen.
Besteht die Gefahr, dass sich 1860 dauerhaft in der 3. Liga festsetzt?
Nein. Aber wir müssen endlich langfristig planen. Nicht jedes Jahr 15 neue Spieler. Sondern: klare Strategie. Wo wollen wir hin? Wie kommen wir dorthin? Wir haben sie auf den Weg gebracht. Von Rückschlägen lassen wir uns nicht entmutigen.
INTERVIEW: ULI KELLNER