Nathalie Armbruster durfte nicht nach Italien. © Gindl/AFP
Vinzenz Geiger gewann schon drei olympische Medaillen, zwei davon in Gold. © Kehong/Imago
Val di Fiemme – Vinzenz Geiger könnte in diesen Tagen Sportgeschichte schreiben. Und darauf würde er liebend gerne verzichten. Wenn es nämlich gleichzeitig sehr gut und sehr blöd läuft, wird der Oberstdorfer in Val di Fiemme zum auf ewig letzten Olympiasieger der Nordischen Kombination. 102 Jahre nach dem Debüt in Chamonix steht die einstige Königssparte vor einer ungewissen Zukunft: Beeindrucken Geiger und seine Konkurrenten das IOC in Norditalien nicht nachhaltig, könnte es das gewesen sein.
„Ich habe mich immer für meinen Sport eingesetzt. Aber auf das Thema kann ich mich einfach im Moment nicht konzentrieren, mir geht’s um meine Leistung“, sagte Geiger vor dem ersten von drei Wettkämpfen am Mittwoch (Springen 10.00 Uhr, Laufen 13.45 Uhr/ARD und Eurosport) zwar. Aber: „Es ist sehr traurig.“
Dass die Kombination für Olympia 2030 nicht gesetzt ist und womöglich dauerhaft verschwinden könnte, betrifft Geiger nicht direkt: Der 28-Jährige wird in vier Jahren voraussichtlich im Ruhestand sein. Doch natürlich hängt er mit dem Herzen an der Traditionssparte, über der das „Damoklesschwert schwebt“, wie Teamkollege Johannes Rydzek sagt.
„Es wäre absolut tragisch, wenn die Kombination aus dem Programm genommen wird. Früher oder später würde dies das Ende der Sportart bedeuten“, meint Geiger: „Und die Nordische Kombination ist der beste Sport der Welt.“
Das sah das IOC zuletzt anders. Zu wenige konkurrenzfähige Nationen, zu wenig Spannung, zu geringe Leistungsdichte, mangelndes Niveau bei den Frauen – so lautete die IOC-Mängelliste. Für 2030 heißt es nun: Entweder beide Geschlechter – oder das Aus für eine Sportart, die seit der Premiere 1924 dabei ist und damit länger als der alpine Skirennsport, der 1936 (später als Schlittenhunderennen) debütierte.
Eine IOC-Taskforce will sich nun bei den 2026er-Männerrennen ein Bild machen. „Wir achten auf Universalität, eine breite Streuung der Spitzenleistungen, ob diese Sportart während und außerhalb der Spiele Beachtung findet“, sagte IOC-Sportdirektor Pierre Ducrey.
Nun, auf Spannung darf sich Ducrey einstellen. Die DSV-Asse Geiger, Rydzek und Julian Schmid, die Österreicher Johannes Lamparter, Stefan und Thomas Rettenegger, die Norweger Jens und Einar Luraas Oftebro, der Finne Ilkka Herola – sie gehören zum Favoritenkreis.SID