„Ich lass die Sau raus“

von Redaktion

Rodlerin Julia Taubitz holt das dritte deutsche Gold und hakt ihr Olympia-Trauma ab

Das Sturz-Drama von Peking ist vergessen: Am Montag gewann Rodlerin Julia Taubitz mit vier Jahren Verspätung endlich Olympia-Gold. © IMAGO/Eibner

Cortina – Cheftrainer Patric Leitner gab den Partybefehl – und die neue Rodel-Olympiasiegerin nahm ihn dankend an. „Ich lass gerne mal die Sau raus“, sagte Julia Taubitz nach vier blitzsauberen Läufen und versicherte: „Ich muss noch zur Dopingkontrolle, aber danach gibt es nur noch Aperölchen.“

Die Feier hatte sich die 29-Jährige verdient. Vor vier Jahren war sie als Favoritin angereist, der Goldtraum durch einen Sturz aber böse zerplatzt. „Die letzten vier Jahre waren nicht immer leicht, aber es hat sich gelohnt“, bestätigte Taubitz. In Peking hatte noch Natalie Geisenberger (38) zum dritten Mal in Serie triumphiert, gestern stand die 38-Jährige als TV-Expertin an der Bahn und freute sich mit ihrer Nachfolgerin: „Ich glaube, sie war sich das letzte Mal vielleicht zu sicher. Dieses Mal hat Julia es perfekt durchgezogen“, so die Miesbacherin zu unserer Zeitung.

Schluchzend sang Taubitz die Nationalhymne und küsste ihre ersehnte Medaille. „Das war mein Kindheitstraum von kleinauf, ich habe schon nicht mehr dran geglaubt“, die Tage seien nun „der geilste Tanz meines Lebens“ gewesen.

Beim Banden-Drama um ihre Teamkollegin Merle Fräbel war die Weltmeisterin ganz souverän zum zweiten Triumph für die deutschen Schlittensportler gerast. Der vorher erwartete Tausendstel-Krimi blieb aus: Fräbel, mit nur 0,061 Sekunden Rückstand auf Taubitz in den Entscheidungstag gegangen, krachte beim Start des dritten Laufes in die Bande. „Bisher nur zweimal Gold. Klar, ich bin enttäuscht“, unkte Leitner auf Nachfrage und wurde dann wieder ernst: „Das tut mir furchtbar leid für Merle, aber sie hat noch eine große Zukunft vor sich.“

Die Gegenwart aber heißt Julia Taubitz. Mit mehr als neun Zehntelsekunden Vorsprung setzte sich die Thüringerin vor der Lettin Elina Bota und Ashley Farquharson (USA) durch. Auch wenn vor dem letzten Durchgang das „Kopfkino“ losging.

Taubitz, die bereits fünf Gesamtweltcupsiege in ihrer Vita stehen hat, setzte einen historischen Erfolgslauf fort: Seit 1998 kam die Olympiasiegerin im Einsitzer der Frauen stets aus Deutschland. Schon am vierten Tag der Wettkämpfe in Norditalien erweist sich der Bob- und Schlittenverband BSD einmal mehr als Erfolgsgarant. Im Ziel freute sich Max Langenhan zwei Tage nach seinem eigenen Coup mit seiner Teamkollegin.

Im Schlepptau hatte er ein paar eher ungewöhliche Gäste für die Eisrinne: 100-Meter-Läuferin Gina Lückenkemper, Model Lena Gercke und Fitness-Influencerin Paula Enzweiler jubelten in erster Reihe. Gewöhnungsbedürftig, aber die Gefeierte fand es cool. „Super schön, dass hier sind. Wer nimmt nicht gerne eine Umarmung von Lena Gercke und Gina Lückenkemper“, sagte Taubitz und entschwand mit einer klitzekleinen Party-Einschränkung in die Nacht. „Heute ist nur Halbgas, am Donnerstag Vollgas.“ Denn am Mittwoch will sie mit der Staffel das nächste Gold.MATHIAS MÜLLER

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