Mit Gurt, Magnet und Bügel

von Redaktion

Entwicklung im Schnelldurchlauf: Bei den Spielen 2030 wird der Bobsport dank AZT-Tüftlern sicherer sein

Gurt für den Bremser: System an Position vier.

Magnet-Sicherung für den dritten Mann. © Hangen (2)

München – Wie die Eisbahn in Cortina am besten zu befahren ist, wissen die Athleten seit Ende November 2025 im Detail. Der „Allianz Safety Sled“ nämlich hatte seine Streckenanalyse schon vor dem Saisonstart absolviert – und ergab: „Vorsicht vor den Kurven zwei bis vier!“ Sie werden im Kampf um die Medaillen für die Bobfahrer die Knackpunkte sein, wenngleich die Bahn eine vergleichsweise leicht zu befahrene ist. Schwere Stürze sind nicht zu erwarten – was aber die Bemühungen um mehr Sicherheit im Bobsport nicht ausbremst. Im Gegenteil.

Im Zentrum der Entwicklung, die der Formel 1 auf Kufen aktuell im Schnelldurchlauf widerfährt, steht das „Allianz Zentrum für Technik“ (AZT) in Ismaning. Der blaue Bob, an dem ein Team der knapp 30 AZT-Mitarbeiter in Ismaning tüftelt, steht in der großen Werkstatt neben diversen Autos. Aber er gehört seit knapp zwei Jahren zum Inventar. Der schwere Sturz des Schweizer Teams von Michael Vogt in Altenberg am 13. Februar 2024 war ein „Warnschuss“, sagt Markus Beischl. Der Ingenieur für Sportgeräte und – materialien ist projektverantwortlich und hat übernommen, als Bob-Manager Axel Watter wenige Wochen nach Altenberg mit der Idee an das AZT herangetreten ist. Seitdem ist eine Menge passiert.

Der Safety Sled liefert die Bahnbedingungen in Echtzeit, das HIP-System (Head Impact Protection) – ein über den Bob verlaufender Bügel – soll zukünftig Kopfverletzungen verhindern. Hinzu kommt das Gurtsystem PASS, das die beiden bei einem Sturz am meisten gefährdeten Anschieber auf den Positionen drei und vier im Gerät sichern soll. Die Gefahr, bei Kräften von 5,5 g aus dem Bob geschleudert zu werden, soll so entscheidend minimiert werden.

Der letzte Mann springt in einen geschlossenes Gurtportal, das sich um sein Becken legt, sobald er seine Position erreicht hat. Richtig getüftelt haben Beischl und Co. beim Mechanismus für den Anschieber an Position drei. Die Lösung: eine magnetische Ankopplung mithilfe eines am Becken getragenen Gurtes an einem im Bob verbauten Verschlusssystem. Beides schon mit Athleten erprobt. Beischl: „Die Akzeptanz ist sehr groß.“ Zielsetzung ist ein Einsatz bis Mitte 2028. Und sicher ist: Die Spiele 2030 werden sicherer.H. RAIF

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