Leidensgefährten werden zu Gegnern: Musiala und Henrichs (r.) haben eine lange Reha-Zeit hinter sich. © Beier/AFP
München – In der Bundesliga feierte Benjamin Henrichs am 24. Januar sein Comeback nach einem Achillessehnenriss. Am Mittwoch (20.45 Uhr) will der 28-jährige Leipzig-Star den FC Bayern im Viertelfinale aus dem DFB-Pokal werfen. Wie genau, verrät der Nationalspieler im Interview.
Herr Henrichs, in der Liga haben Sie gegen Bayern Ihr Kader-Comeback gefeiert, gegen Köln am Wochenende die Rückkehr in die Startelf – welche Schlagzeilen wünschen Sie sich für das Pokalspiel am Mittwoch? Für Ihr Team – und für Sie persönlich?
Für mich persönlich braucht es keine besondere Schlagzeile. Schön wäre es einfach, wenn es am Ende heißt: „Leipzig zieht in die nächste Runde ein“. Mein letztes Spiel in München war für mich persönlich nicht so erfolgreich, da ich mich dort schwer verletzt habe und wir das Spiel verloren haben. Natürlich wird es deshalb ein emotionales Spiel für mich. Umso schöner wäre es, wenn wir diesmal als Mannschaft einen Sieg mitnehmen und in die nächste Runde einziehen können.
Ist es nun von Vorteil oder von Nachteil, wenn man vor nicht mal drei Wochen eine Niederlage gegen die Bayern hinnehmen musste?
Ich glaube, dass es weder ein Vorteil noch ein Nachteil ist. Vielleicht ist man ein Stück besser auf den Gegner eingestellt. In der ersten Halbzeit haben wir sehr dominant gespielt und gesehen, wozu wir in der Lage sind. In der zweiten Hälfte hat man dann auch gesehen, welche Qualität Bayern besitzt.
Was sind die Lehren?
Die Lehre ist, dass wir unsere Chancen, wenn wir sie uns so gut herausspielen wie in der ersten Halbzeit, konsequenter nutzen müssen. Bayern hat sehr viel individuelle Qualität und kann immer wieder nachlegen – da müssen wir über die gesamte Spielzeit wachsam sein. Wir hatten in dieser Saison bereits zwei Partien gegen Bayern, die für uns nicht optimal gelaufen sind. Das wollen wir am Mittwoch unbedingt besser machen.
Im Gegensatz zu den Bayern „kann“ Leipzig in den letzten Jahren sehr gut DFB-Pokal. Wie sehr beflügeln Gedanken an die Siege, die RB in den Jahren 2022 und 2023 gelungen sind?
Pokalsiege haben für uns Spieler, aber auch für den gesamten Club, natürlich eine extrem hohe Bedeutung. Ich war bei beiden Pokalsiegen dabei und habe in beiden Finals gespielt. Das sind besondere Erlebnisse und Erinnerungen, die man nicht vergisst und sich wieder wünscht.
Wer hat mehr Sehnsucht nach Berlin?
Ein Finale im ausverkauften Olympiastadion zu spielen, mit Familie und Freunden auf der Tribüne, dieses besondere Gefühl – das sind Dinge, über die man sich auch mit den Mitspielern austauscht, die den Pokal noch nicht gewonnen haben. Diese Erfahrungen und Emotionen nimmt man mit und möchte sie unbedingt wieder erleben. Für das Spiel am Mittwoch spielt es allerdings keine Rolle, was in den vergangenen Jahren war oder wie weit wir im Pokal gekommen sind. Das ist ein neues Spiel.
Wie stellt man sich als Verteidiger auf die Bayern-Reihe um Olise, Diaz, Kane, Musiala ein? Kann man das überhaupt?
Ich habe schon das ein oder andere Spiel gegen Weltklassespieler spielen dürfen. Man weiß einfach, welche Qualität auf einen zukommt. Gerade in solchen Spielen ist es extrem wichtig, dass wir als Mannschaft zusammenhalten, einander helfen und möglichst wenig in Eins-gegen-Eins-Situationen kommen. Alle müssen mitverteidigen, um den Gegenspielern so wenig Freiheiten wie möglich zu geben. Man muss als Mannschaft einfach gut eingestellt sein und versuchen, das als Team zu lösen.
Wie Musiala haben Sie eine lange Reha hinter sich. Sind Sie noch in der Phase, in der Sie jeden Tag mit einem Lächeln trainieren?
Ich muss sagen, ich bin nach wie vor absolut dankbar und genieße jede Trainingseinheit. Gerade nach rund 400 Tagen, in denen man nicht spielen konnte, weiß man vieles noch mehr zu schätzen, wenn man zurückkommt. Man weiß, wo man herkommt und was man durchgemacht hat, und freut sich einfach sehr, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen. Es ist ein großer Unterschied, ob man „nicht spielt“ oder ob man „nicht spielen kann“, weil der Körper es nicht zulässt. Ich bin einfach dankbar, das alles wieder erleben zu dürfen. Ich freue mich über jede Minute, die ich bekomme, aber genauso über jedes Training. Ich fühle mich sehr gut.
Der perfekte Sommer: Erst Pokalsieg – dann WM?
(lacht) Ja, das wäre der perfekte Sommer.
INTERVIEW: HANNA RAIF