„Berater sind oft ahnungslos“

von Redaktion

Ex-Manager Reiner Calmund rechnet mit Spieleragenten ab

Scharfer Beobachter: Reiner Calmund. © Hardt/Imago

München – Als jahrelanger Boss von Leverkusen weiß Reiner Calmund genau, worauf es in Vertragsverhandlungen ankommt. Im Interview mit „Absolut Fußball“ spricht er über den zähen Poker von Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano und Spielerberater allgemein.

Nach langem Hin und Her bleibt Dayot Upamecano offenbar in München. Einen großen Anteil an den langwierigen Verhandlungen hatte wohl auch sein Berater. Wie bewerten Sie ihn?

Ich kenne jetzt den Berater von Upamecano nicht, aber es scheint, als kriege der den Hals nicht voll. Letztendlich muss aber der Spieler entscheiden, was er macht. Was mir wichtig ist: Wenn sich der Spieler und seine Familie wohlfühlen und er in einem Spitzen-Verein spielt, dann muss man auch nicht auf die letzten Millionen gucken. Das ganze Geld kann er ja sowieso in seinem Leben nicht mehr ausgeben.

Sie sprechen den Charakter eines Spielerberaters an. Welche Eigenschaften gibt es?

Wie in jedem Beruf gibt es sehr gute, die auch charakterlich in Ordnung sind. Aber es gibt auch solche, die charakterlich nicht in Ordnung sind. Und es gibt eine weitere Abteilung, das sind die Schlimmsten. Die sind oft ahnungslos, geldgierig, unzuverlässig und charakterlich eben nicht in Ordnung.

Manche Spieler lassen sich von der eigenen Familie beraten. Wie sehen Sie das?

Nehmen wir etwa Florian Wirtz. Es gibt gute und schlechte Väter. Sein Papa hat ihn sehr gut beraten. Sie arbeiten sicherlich auch mit Fachleuten zusammen, aber am Ende hat der Junge trotz Beratung der Familie entschieden, zu welchem Verein er wechselt.

Matthias Sammer forderte zuletzt, dass Spielerberater abgeschafft werden sollen.

Das ist utopisch. Matthias Sammer hatte doch in seiner Eigenschaft als Sportdirektor damals ebenfalls mit Spielerberatern zu tun. Wenn ich recht informiert bin, arbeitete sein Sohn Marvin sogar als Spielerberater. Er hat auch mal mit einem Kumpel seine eigene Berater-Agentur gegründet. Vereine hätten es ohne Berater leichter, das kann schon sein. Aber wir dürfen bei dem Thema auch nicht einseitig werden. Vereinsmanager könnten Spieler dann leicht über den Tisch ziehen..

INTERVIEW: F. PUTH

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