Das Draisaitl-Netzwerk

von Redaktion

Der NHL-Superstar und seine Olympia-Mitspieler – wird das funktionieren?

Treffen in Übersee: Dominik Kahun (damals Edmonton, jetzt HC Lausanne), Leon Draisaitl und Tim Stützle (Ottawa Senators). © Nelson/Imago

Trainingsduell unter alten Bekannten: Draisaitl (r.) und der Müchner Fabio Wagner kennen sich aus der U16. © DEB/City-Press

Mailand/München – Mit einer zweiminütigen Brandrede zum Zustand der Oilers hatte sich Leon Draisaitl aus Edmonton verabschiedet, für zwei Wochen lässt er die Krisendiskussionen in seinem NHL-Club hinter sich – und gehört nun einer anderen Mannschaft an: dem deutschen Nationalteam, mit dem er heute (21.10 Uhr) gegen Dänemark nach wenigen Trainingstagen ins Olympiaturnier einsteigt. Die große Frage rund um die 25 Mann starke Gruppe von Bundestrainer Harold Kreis lautet: Finden die Spieler aus Nordamerika (Draisaitl und acht weitere) schnell und reibungslos zusammen mit denen aus der DEL? Oder kommt es zwangsläufig zum Fremdeln zwischen Weltstar Draisaitl (14 Millionen US-Dollar Jahresgehalt – brutto) und DEL-Akteuren (100000 bis 250000 Euro netto)? Harold Kreis hat „keine Sorge um die Teamchemie“, denn er weiß: Draisaitl trifft auf viele alte Bekannte. Ein Streifzug durch seine Karriere.

2008: Draisaitl ist 13, als er mit Frederik Tiffels in der U16 der Kölner Haie zusammenspielt. Ihm folgt er später in den Mannheimer Nachwuchs. „Freddy“ ist der offizielle beste Freund von Leon, hielt im vergangenen Sommer dessen Hochzeitsrede.

2009: Bei den Jungadlern Mannheim trifft Draisaitl auf Dominik Kahun (mit ihm wohnt er anfangs bei derselben Gastfamilie) und Marc Michaelis. Zusammen bilden sie 2010/11 eine Rekordsturmreihe: Kahun 206 Scorerpunkte, Draisaitl 192, Michaelis („Ich durfte da ein bisschen mitlaufen“) 70. In den Jungadler-Kader schnuppert damals auch Verteidiger Lukas Kälble hinein.

2010: Draisaitl wird U16-Nationalspieler und begegnet Parker Tuomie und Fabio Wagner, die er im Olympia-Team 2026 wiedersieht. Zusammen gehören sie weiteren U-Teams des DEB an.

2012/13: Draisaitl ist in die kanadische Juniorenliga gewechselt, spielt aber für die deutsche U18 (mit Jonas Müller) und U20 (mit Tobias Rieder).

2014: Erste Erwachsenen-Weltmeisterschaft von Leon Draisaitl – Mitspieler: Tobias Rieder, Torhüter Philipp Grubauer und Moritz Müller, zu dem er trotz neun Jahren Altersunterschied schnell einen Draht findet. Im NHL-Finale 2025 flog Müller als Draisaitl-Fan zum Stanley-Cup-Finale.

2018: Torwart Mathias Niederberger ist erstmals bei der WM – für Draisaitl ist es seine vierte.

2018/19: Tobias Rieder wird Draisaitls Mitspieler (streckenweise sogar Sturmpartner) bei den Edmonton Oilers.

2019: Leon Draisaitl spielt die WM in der Slowakei – und lernt den jungen Mannheimer Moritz Seider kennen (gegen den er seit nunmehr sechs Jahren regelmäßig in der NHL spielt).

2020/21: Wiedersehen mit Dominik Kahun, der für eine Saison von den Edmonton Olilers verpflichtet wird.

2025/26: Joshua Samanski gehört dem Kader der Edmonton Oilers an, Leon Draisaitl hat den Weg des Straubingers schon zuvor verfolgt („Seine Spiele beim Spengler Cup angeschaut“), nimmt ihn unter seine Fittiche ( „Schön, mit jemandem Deutsch sprechen zu können“). Im Januar 2026 bestreitet Samanski seine ersten NHL-Partien.

Mit 13 seiner 24 Mitstreiter in Mailand ist Leon Draisaitl also schon in einer Mannschaft gestanden. Bei einigen verpasste er es knapp: 2015 bekam er von den Oilers, obwohl da in seiner NHL-Anfangszeit gerade auf die Tribüne geschickt, keine Freigabe für die U20-WM, bei der er auf Nico Sturm und Kai Wissmann getroffen wäre.

Der Kontakt mit dem gleichaltrigen Nico Sturm ergab sich erst, als sie in der NHL gegeneinander spielten. Gleichermaßen mit den deutlich jüngeren Tim Stützle, John-Jason Peterka und Lukas Reichel. Als diese gedraftet wurden, kam von Draisaitl sofort das Angebot, sich für Fragen und Hilfestellung an ihn wenden zu können.

Harold Kreis hatte alle diese Beziehungsgeflechte im Kopf, als er seinen Kader zusammenstellte. Er ist sich daher sicher: „Wir werden den Teamspirit aufs Eis bringen.“ Und Draisaitl, den der Bundestrainer zum Kapitän ernannt hat, ist wohl auch froh, sich nicht mit der Oilers-Krise befassen zu müssen.GÜNTER KLEIN

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