ZUM TAGE

Das IOC und die Angst vor klaren Zeichen

von Redaktion

Maulkorb im Eiskanal

Der Streit um den Helm von Skeletoni Wladyslaw Heraskewytsch ist in erster Linie kein Regelproblem. Vielmehr geht es es dabei um Macht. Macht, die das Internationale Olympische Komitee (IOC), immer wieder ausnutzt – auch Zugunsten Russlands.

Zum Hintergrund: Heraskewytsch will mit einem spezial-lackierten Helm beim olympischen Skeleton-Wettbewerb antreten. Auf dem Kopfschutz sind gut 20 ukrainische Athleten abgebildet, die im Krieg getötet wurden. Die Botschaft dahinter ist für jeden klar verständlich – auch für das IOC, das das Tragen des Helms beim offiziellen Wettkampf verboten hat. Als mickriges Entgegenkommen könne er ein schwarzes Armband tragen. Logisch: Ein Trauerflor ist im Vergleich quasi unsichtbar, der Protest gegen den russischen Angriffskrieg damit eigentlich Zunichte gemacht.

Was ist denn noch erlaubt? Nach den Wettkämpfen ein Bild in die Kamera zu zeigen, wie es 2008 Mathias Steiner machte. Der ehemalige Gewichtheber nahm so seine verstorbene Frau mit zur Siegerehrung und verlieh seiner Trauer Ausdruck. Die Bilder gingen damals um die Welt. Auch der Eiskunstläufer Maxim Naumov betrauerte am Dienstag mit einem emotionalen Bild nach seinem Kurzprogramm den Tod seiner Eltern.

Der Unterschied: Beide trauerten ohne politischen Kontext – Heraskewytsch im Kontext eines Krieges, den Russland angefangen hat. Immerhin: Er dürfte, so ein IOC-Sprecher, den Helm davor und danach mit zu Interviews nehmen und seine Meinung frei äußern – oh, wie großzügig.

Das IOC versucht zu begründen, dass die Wettkampffläche „heilig“ sei. Also keine Statements während des Wettkampfes. Das bekam auch die deutsche Eisschnellläuferin Josephine Schlörb zu spüren. Sie musste ihre Lieblingsschuhe, auf denen Botschaften wie „Hass ist keine Meinung“ oder „Diskriminierung ist ein Verbrechen“ stand, umdesignen. Nicht, dass sich Putin noch auf den Schlips getreten fühlt.

Der einzige Punkt, der für solche Verbote spricht, ist: Wo fängt man an, wo hört man auf? Es wäre schön, wenn hier das IOC nicht nur Schwarz und Weiß sieht, sondern auch Grautöne zulässt – aber das bleibt wohl Wunschdenken.

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