Heraskewytschs Helm-Streit eskaliert

von Redaktion

Ukrainischer Skeletoni will Statement gegen den Krieg setzen – Loch steht ihm bei

Um diesen Gedenk-Helm geht es. © Michael/dpa

Mailand – Der Konflikt zwischen dem ukrainischen Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) spitzt sich zu und könnte beim Rennen am Donnerstag eskalieren. Während das IOC auf seiner Position beharrt, Heraskewytschs Helm mit den Bildern getöteter Sportler verstoße gegen die Richtlinien, sieht das der 27-Jährige anders. „Das IOC hat die Situation um den ‚Helm des Gedenkens‘ zu einem absurden Theaterstück gemacht“, sagte er am Mittwoch.

Heraskewytsch könne außerhalb des Wettkampfs „seinen Helm tragen, er kann seinen Helm zeigen, er kann damit durch die Mixed Zone gehen, er kann mit Leuten reden“, erklärte IOC-Sprecher Mark Adams. Auf die Frage, ob und wann konkret eine Disqualifikation ausgesprochen würde, ging er nicht sein.

Heraskewytsch, Fahnenträger seines Landes bei den Winterspielen, ist seit Tagen auf Konfrontationskurs mit dem IOC, um seinem kriegsgebeutelten Land Sichtbarkeit zu verschaffen. Er trug den Helm schon in den Trainingseinheiten und bekräftigte, er werde den Kopfschutz auch im Wettkampf (ab Donnerstag, 9.30 Uhr/ZDF und Eurosport) einsetzen. Dies ist laut der IOC-Regel 40.2 verboten, wonach die Meinungsfreiheit gewissen Einschränkungen unterliegt.

Das Spielfeld, das sogenannte „field of play“, sei „heilig“, unterstrich Adams und verwies auf unterzeichnete Erklärungen durch Tausende Athleten. Heraskewytsch warf dem IOC „Doppelmoral“ vor. Er verwies auf den US-Eiskunstläufer Maxim Naumov, der am Dienstagabend nach seinem Kurzprogramm mit einem Bild seiner bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Eltern gedacht hatte (siehe links).

Heraskewytsch bestreitet derweil jede politische Absicht. Der Helm sei ein Ausdruck von Gedenken. Für ihn geht es darum, die Realität des russischen Angriffskrieges in der Ukraine zu zeigen. Sein Land zahle „jeden Tag einen Preis“ in diesem Krieg, und Sportler seien Teil dieser Opfer.

Rückhalt erhält der Ukrainer unter anderem vom dreimaligen Rodel-Olympiasieger Felix Loch. Er könne ihn verstehen. „Da ist kein Text oder irgendwas mit dabei“, erklärte Loch und ergänzte, eine mögliche Disqualifikation seines Freundes, der 2022 mit Familie Loch Weihnachten gefeiert hatte, wäre „traurig“ und „ein bisschen ein Skandal“.SID

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