Wer zahlt den neuen 1860-Tempel?

von Redaktion

Lärmschutz, Kapazität, Mobilität: So soll es endlich klappen mit dem Grünwalder-Ausbau

Schick, aber teuer: Ein Grünwalder-Ausbau kostet viel Geld. © KI

München – Dieter Reiter musste schmunzeln. Auf der Podiumsdiskussion der Oberbürgermeister-Kandidaten Münchens im Pressehaus unserer Zeitung bekam der 67-Jährige die Frage aus dem Publikum gestellt, ob er denn den Ausbau des Grünwalder Stadions auf 30 000 Zuschauerplätze unterstütze: „30 000? Des war kein Sechzgerfan, die wollen eher 50 000.“ Als Spaß gemeint, machte der SPD-Politiker damit eines klar: Die Löwen haben große Pläne mit ihrem Giesinger Wohnzimmer. Nur: Wie realistisch ist das Ganze? Und wer zahlt die ganze Gaudi?

Fragen gibt es noch viele zu klären. Zunächst muss untersucht werden, in welchem Rahmen der Umbau stattfinden kann. Wie viele Plätze sind realistisch? Können die Löwen ihre Anforderungen, die eine bundesligataugliche Spielstätte beinhaltet, in die Tat umsetzen? Das klärt derzeit eine Machbarkeitsstudie. „Wir bauen es aus, soweit wir das genehmigungstechnisch hinkriegen. Es gibt jetzt zum ersten Mal eine gemeinsame Arbeitsgruppe zwischen Stadt und den Sechzgern – das gab es noch nie. Das Gutachten wird wohl im Juni fertig sein“, erklärte Reiter.

Sollten Themen wie Lärmschutz oder positive Mobilitätsgutachten zugunsten der 1860-Pläne ausfallen, gibt es jedoch eine weitere, nicht ganz unwesentliche Hürde zu überwinden, betont Reiter: „Dann stellt sich nur noch die ganz lapidare Frage, die für Sechzig sicher kein Problem wird: Wer zahlt das?“ Dabei musste der amtierende OB die Löwen-Delegation etwas ausbremsen: „Da gibt es ein paar fixe Ideen bei den Sechzgern, die ich gleich von Anfang an etwas gedämpft habe. Die haben gesagt, wir sparen uns doch so viel Geld, weil wir das Grünwalder Stadion sowieso sanieren müssten. Wir könnten ihnen das Geld doch einfach überweisen. Dann habe ich ihnen gesagt: Ganz so einfach wird das nicht werden.“

Die Ideallösung für Stadt und Verein wäre es, wenn die Löwen das Stadion in Erbpacht übernehmen. Dabei werde die Politik 1860 auch entgegenkommen, bekräftigt Reiter: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir, wenn das so ist und die Sechzger das Stadion per Erbpacht übernehmen, bei der Erbpacht so weit runtergehen, wie es irgendwie geht – und das, was wir vielleicht nicht als Sanierungsaufwand haben, ihnen wieder gutschreiben.“

Und die Löwen? Die haben mehrere Finanzierungsideen in der Schublade liegen, verriet Präsident Gernot Mang im Gespräch mit unserer Zeitung Anfang der Woche: „Es gibt viele Modelle: Investoren, Stadt, Land, Namensrechte, Genossenschaften, Banken. So etwas wird immer finanziert – aber Schritt für Schritt.“ Reiter plauderte auf der Bühne am Dienstag aus dem Nähkästchen, dass die Löwen bereits Kontakt mit Ministerpräsident Markus Söder aufgenommen hätten: „Der hat sich nicht so viele Gedanken gemacht, aber gesagt, er will auch 20 Millionen Euro geben oder so. Ich weiß nicht, ob sie (1860; Red.) sich einen Vertrag haben zeigen lassen.“

Doch auch mit der Finanzspritze des Freistaates müssen weitere Geldgeber gefunden werden. Reiter rechnet vor: „So ein Stadion, wie es die Sechzger brauchen, kostet ungefähr 100 Millionen Euro. Da ist noch ein kleiner Gap von 60, 70 Millionen dazwischen. Da warte ich noch auf Finanzierungsvorschläge. Aber ich glaube, die Sechzger hoffen auf Sponsoren – Ippen Media Group oder so. Die würden sich bestimmt auch gut machen auf dem Sechzger-Trikot.“

Dass die Verlagsgruppe unserer Zeitung am Ende den Traum der Löwen von einem Neuanfang in Giesing ermöglicht, kann natürlich getrost in das Reich der Scherzideen verwiesen werden. 1860 braucht andere Lösungen, die im Hintergrund eifrig gesucht werden. Zwei große Hürden trennen die Löwen noch von ihrem Giesinger Traum: Machbarkeitsstudie und Finanzierung. Zum Jubeln ist es definitiv zu früh.MARCO BLANCO UCLES

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