Wieder jubeln die anderen

von Redaktion

Biathletin Preuß vergibt Gold beim letzten Schießen – Überraschung aus Bulgarien

Lora Hristova gewann sensationell Bronze. © Teyssot/EPA

„Ich habe es nicht mehr auf die Kette gekriegt“: Franziska Preuß liegt erschöpft im Ziel. Am Ende wurde es Platz zehn. © Hendrik Schmidt/dpa

Antholz – Zweimal ganz nah dran, aber am Ende nur Blech für Franzi Preuß und Vanessa Voigt beim Einzelrennen über 15 km am Mittwoch in Antholz. Während Voigt zwar fehlerfrei blieb, aber doch nur Vierte wurde, lag Preuß bis zum letzten Schießen auf Goldkurs. Doch dann ging das Kopfkino los, Preuß verfehlte zwei Scheiben und wurde bis auf Platz zehn durchgereicht. „Ich habe es nicht mehr auf die Kette gekriegt, das Timing stimmte nicht mehr. Es war das klassische Harakiri-Schießen, sauschade, das ärgert mich sehr“, sagte Preuß.

Stattdessen jubelten die Französinnen Julian Simon (Gold) und Lou Jeanmonot (Silber) mit der Überraschungs-Dritten Lora Hristova – die Bulgarin belegt im Gesamtweltcup nur Rang 73. Auch Preuß war die 22-Jährige gänzlich unbekannt. „Ich habe in der Umkleide herumgefragt, wer eigentlich diese Bulgarin ist“, erzählte die Ruhpoldingerin. „Dann hat sich ein kleines Mädchen gemeldet.“ Das sei ein „bisschen unangenehm“ gewesen, lachte Preuß. „,Für sie ist das ein Traumtag und ja, so ist Biathlon einfach.“

Für das DSV-Team blieb hingegen (nach Platz fünf von Philipp Nawrath) nur der undankbare vierte Platz. „Ich hätte es gerne anders gehabt“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. „Aber es bringt jetzt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken.“ Man werde sich die Chancen weiter erarbeiten. „Es ist noch vieles für uns möglich.“

Vanessa Voigt hatte sich nahe an ihrem Optimum bewegt, doch das Podest verfehlte sie wegen der überschauberen Laufleistung um 12,9 Sekunden. In Peking waren es 2022 sogar nur 1,3 Sekunden gewesen. „Total schwierig, meine Gedanken zu ordnen“, sagte Voigt. „Grundsätzlich bin ich enorm stolz auf meine Leistung. Ich weiß, jetzt kommt wieder das Thema Laufzeit und Schießzeit. Aber ich bin happy mit dem Rennen.“

Glücklich war Preuß nur bis zum Scharfrichter – dem letzten Stehendanschlag. „Bis zum ersten Schuss war ich im Plan, nach dem Fehler ist das Kartenhaus in sich zusammengefallen.“ Sie schoss zwei Fehler. Doch selbst einer weniger hätte nicht zur Medaille gereicht.

Preuß ist, den ganzen Winter wieder eimal gebeutelt durch Krankheiten, nicht mehr in der Form des Vorjahres. Sie wusste, dass sie für Edelmetall einen perfekten Tag gebraucht hätte. Doch das sollte der Mittwoch nicht sein. Aber: „Noch habe ich die Hoffnung, dass der vielleicht nicht kommt.“

Die Bulgarin Hristova hingegen wird diesen 11. Februar wohl so schnell nicht vergessen. Im Weltcup war sie noch nie unter die besten 20 gelaufen, bei Olympia hat sie eiskalt zugeschlagen. Einer, der ihr das zugetraut hat, ist Wolfgang Pichler. Der Medaillenschmied aus Ruhpolding hat vor eineinhalb Jahren „den Laden übernommen“ und nun auch mit Bulgarien Edelmetall eingefahren. Zuvor war er unter anderem in Schweden und Russland erfolgreich.

„Das war ein chaotischer Haufen“, erzählte der 71-Jährige unserer Zeitung. „Ich hab gesagt, wo es langgeht. Jetzt bin ich unglaublich stolz.“ Hristova schaffte es bereits bei der vergangenen WM im Einzel auf Rang 13. Doch da, so Pichler, sei sie „noch zu langsam gelaufen“. MATHIAS MÜLLER

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