„Es macht große Freude, Teil dieser Gruppe zu sein“: Das sah man Kimmich nach dem 2:0 gegen RB an. © Hörmann/IMAGO
München – Das Arm in Arm vor der Südkurve skandierte „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ konnte man in der Nacht zum Donnerstag zwar aus dem Kabinentrakt des FC Bayern nicht mehr vernehmen, aber die Stimmung in den heiligen Räumlichkeiten der Allianz Arena war trotzdem so ausgelassen wie schon lange nicht mehr. Freude, Erleichterung, Stolz, vielmehr noch: Herbert Hainer hatte bei seiner Stippvisite nach dem 2:0 (0:0) gegen RB Leipzig im Pokal-Viertelfinale sogar schon wieder „Ehrgeiz“ in den Augen von Vincent Kompany und seinen Spielern gesehen. Aus voller Überzeugung sagte der Präsident mit Blick auf das nur noch einen Schritt entfernte Finale in Berlin: „Die Mannschaft will das!“ Und genau das ist der kleine aber feine Unterschied zum vergangenen Jahr.
„Es tut sehr gut“, gab auch Jan-Christian Dreesen nach diesem Abend zu, vor dem der ganze Club einen Heidenrespekt hatte. Der CEO sprach von einer „Riesensehnsucht nach Berlin“, wo am 23. Mai das womöglich erste Endspiel mit Bayern-Beteiligung seit dem Titel 2020 (!) stattfinden wird – längst aber denkt man intern noch weiter. Denn auch wenn Kompanys Jungs um die beiden Torschützen Harry Kane (64.) und Luis Diaz (67.) gegen RB nicht überdominant agierten, zeigte der am Ende verdiente Sieg im ersten K.o.-Spiel des Jahres, wohin die Reise gehen soll. Dreesen: „Da wächst was zusammen. Die hören nicht auf! Das Team kann verdammt viel erreichen.“ Selbst das Wort „Triple“ stand ab Mittwoch kurz vor Mitternacht nicht mehr auf dem Index.
„Der Drang, der Wille, das zu holen, ist da“, posaunte der entspannte Kapitän Manuel Neuer in den Raum. Joshua Kimmich schmunzelte zwar bei der entsprechenden Frage, aber er sagte halt auch: „Wir sind schon sehr selbstbewusst. Und wir sind in Position.“ In der Liga sind es auch nach zwei Ausrutschern noch sechs Punkte Vorsprung, im Pokal hofft man – egal ob gegen Leverkusen, Stuttgart oder Freiburg – auf ein Heimspiel im Halbfinale (21./22. April) und in der Champions League können die Bayern entspannt dabei zusehen, wer es durch die Playoffs schafft und Mitte März Achtelfinal-Gegner wird. „Das Paket Bayern München“, führte Kimmich aus, „ist im Moment sehr, sehr sexy. Verein, Stadt, Fans, Mannschaft, Trainer – es macht große Freude, wenn man Teil dieser Gruppe sein darf.“ Der Gruppe, die – um im Jargon zu bleiben – heiß auf den Titel-Dreier ist.
Dass schon am Samstag (15.30 Uhr) in Bremen die nächsten 90 Minuten anstehen, täuscht ein wenig darüber hinweg, dass es ab sofort eigentlich ruhiger wird. Die beiden nicht-englischen Wochen sind laut Neuer dafür da, „den Grundstein zu legen und dafür zu leben, dass alle in der entscheidenden Phase fit sind“. Kimmich freut sich wie Coach Kompany auf „inhaltliche Arbeit. Stellschrauben drehen und unser Spiel verbessern. Und dann voller Energie in den März gehen“. Das Motto ab dann gab Max Eberl vor: „Wenn man zu weit schaut, droht man zu stolpern.“ Aber bis Berlin sind‘s ja nur 570 Kilometer. Oder anders gesagt: ein einziges Spiel.HANNA RAIF, MANUEL BONKE