Willst du? Breezy Johnson und Connor Watkins.
Enttäuscht nach ihrem Ausscheiden: Für Emma Aicher gab es diesmal nichts zu feiern. © Kappeler/DPA, Instagram/USA
Vielleicht kein Wunder, aber mindestens ein Märchen: Federica Brignone ist Super-G-Olympiasiegerin. © RELLANDINI/AFP
Cortina – Zwei Salto nullo, eine märchenhafte Siegerin und einen Heiratsantrag: Cortina hat beim Super-G der Frauen Historisches hervorgebracht. Während die deutschen Hoffnungen Emma Aicher und Kira Weidle wie viele andere Mitfavoriten nicht die Ziellinie sahen, brachen bei Olympiasiegerin Federica Brignone alle Dämme. „Ich habe mich als Außenseiterin gesehen“, sagte die Italienerin unter Tränen, „und dachte mir: Alles oder nichts, ich habe mit dem Start eh schon alles erreicht.“
315 Tage vor ihrem Coup hatte die zweimalige Gesamtweltcup-Siegerin einen Totalschaden im linken Knie erlitten. Waden- und Schienbeinkopf waren gebrochen, das vordere Kreuzband gerissen. Sie habe heute noch jeden Tag Schmerzen. Nicht mehr so sehr beim Gehen, aber nach dem Skifahren. Deswegen verbringt sie viele Stunden in medizinischer Behandlung.
Auch Aicher wusste, was zu tun war und verneigte sich vor der 35-Jährigen. „Das ist richtig stark, was sie gemacht hat. Hut ab, das schaffen die Wenigsten“, sagte das DSV-Ass, das ihr eigenes Rennen schnell abhakte. Es sei „bitter“, aber sie habe alles gegeben. „Mehr kann ich nicht tun.“ Mit bereits zwei Silbermedaillen im Gepäck dürfte die 22-Jährige schnell wieder nach vorne blicken. Zum Beispiel auf den Slalom (18. Februar) – ihre nächste Chance auf Edelmetall.
Brignone hingegen komplettierte ihre Sammlung. Zu ihren bisherigen Olympiamedaillen im Riesenslalom (Silber 2022 und Bronze 2018) sowie der Alpinen Kombination (Bronze 2022) holte sie nun endlich Gold. „Damit hätte ich nie gerechnet, es ist etwas ganz Besonderes.“
Kira Weidle-Winkelmann hadert mit den Schneeverhältnissen. „Sobald man von der Linie abkommt, ist es weich“, sagte sie. Das passierte ihr, „ein taktischer Fehler, aber bei Olympia musst du riskieren“. Das taten auch Sofia Goggia und Mirjam Puchner – und schieden aus. Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson krachte sogar in den Fangzaun. Der Ärger war schnell verraucht, denn im Auslauf ging ihr Freund Connor Watkins vor ihr auf die Knie und hielt um ihre Hand an. Hatte Johnson damit gerechnet? „Das war meine Hoffnung“, sagte sie bei NBC, „aber es ist definitiv viel verrückter, weil alles gleichzeitig passiert, und die Realität so anders ist, als man es sich vorgestellt hat – und so viel besser.“
Brignone („Gratulation an Breezy“) bekam bei dem ganzen Gold-„Stress“ nichts davon mit. Sie war einfach nur glücklich. „Ich wusste, dass ich etwas Spezielles leisten muss, das habe ich versucht“, sagte die zweifache Weltmeisterin. Nach ihrem Sturz sei nicht klar gewesen, ob sie überhaupt als Athletin zurückkehren kann. Am Donnerstag saß sie plötzlich in der Leaderbox. „Das Warten war nicht einfach. Ich war stolz, aber ich habe der Sache nicht getraut“, so die gebürtige Mailänderin.
Ob das nicht alles ziemlich verrückt klinge, fragte unsere Zeitung sie. „Das tut es“, sagte Brignone. „Aber ich versuche seit meiner Kindheit, das Unmögliche möglich zu machen. Ich habe da draußen alles gegeben, was ich hatte.“MATHIAS MÜLLER