George allein zu Haus

von Redaktion

Russell hat es in der F1 schwer

Cool mit Sonnenbrille: George Russell und die „Klassenkameraden“. © Haider/EPA

Bahrain – Jeder hat sie schon mal erlebt: Die Streber im Klassenzimmer, die nur bei den Lehrern schleimen, sondern auch die anderen verpetzen – falls nötig. „Herr Lehrer, der Ralf hat das Licht im Keller brennen lassen. Ich habe es aber ausgemacht.“ Sie sind einsam deswegen, haben keine Freunde. Im fliegenden Klassenzimmer der Formel 1 gilt Mercedes-Pilot George Russell als der, der das Licht im Keller ausgemacht hat.

Seine Funksprüche während eines Rennens werden bei den Kollegen als eine Dauerschleife von Petztattacken gleichermaßen belächelt und beschimpft. Kein Wunder, dass der britische Musterschüler allein zu Haus ist. Auch bei den vorletzten Testfahrten vor dem Saisonbeginn in Melbourne am 8. März, die gerade in Bahrain stattfinden, bekommt er das zu spüren. Warum? Er merkt: Die Lehrer mögen den Musterknaben, die Klassenkameraden eher nicht. Besonders Superstar Max Verstappen hat ihn auf dem Kieker. In Barcelona letztes Jahr ging ihm die Petz-Zecke endgültig auf den Zeiger. Er packte seinen Red Bull bei den Hörnern und fuhr dem Briten in dessen Mercedes. Klar wurde der böse Bube aus den Niederlanden von den strengen Lehrern bestraft. Verstappen sah es aber locker.

Russell fühlte sich, natürlich, im Recht. Was ihm aber dieses Jahr vielleicht nicht gefällt, sind zwei Dinge. Erstens: Sein „Erzfeind“, der siegende Holländer, wurde ausgerechnet von Russells Arbeitgeber AMG-Mercedes auserwählt, dessen neuen Tourenwagen für die GT3-Serien zu entwickeln, und den alten, unter anderem für den diesjährigen 24 Stunden-Klassiker auf der legendären Nordschleife, zu verbessern.

Zweitens: Italiens 19-jähriger Jungstar Kimi Antonelli, Russells Teamkollege, hat sich ausgerechnet den Erzfeind des unbeliebten Briten als Vorbild ausgeguckt. Schon im letzten Jahr war Kimi, nebenbei auch Liebling von Mercedes-Teamchef Toto Wolff, von seinem großen Freund Max begeistert: Wie er ihn nach Fehlern aufbaute, wie er ihm nach Fahrfehlern verzieh, wie er immer wieder Tipps gab. Auch in Bahrain kann er jetzt Max‘ Zuspruch gut gebrauchen. Grund: „Kimi Nationale“ zerlegte kurz vor dem Abflug in großem Stil seinen neuen AMG-Dienstwagen auf einer Landstraße in der Nähe seines Heimatorts. 144 Meter Leitplanke zerballerte er, blieb im Gegensatz zu seinem Sportwagen aus Stuttgart aber unversehrt. Klar saß das tief, aber Max wird ihn wieder aufbauen.RALF BACH

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