Goldenes Sextett: Tobias Wendl, Julia Taupitz, Max Langenhan, Dajana Eitberger, Magdalena Matschina, Tobias Arlt (v. l.). © dpa/Michael Kappeler
Cortina d‘Ampezzo – Nach der Triumphfahrt in die Geschichtsbücher feierten Tobias Wendl und Tobias Arlt noch im Eiskanal mit allen Teamkollegen den krönenden Abschluss der Rodelwettbewerbe. Auch Ski-Ass Emma Aicher war gekommen, um den Schlitten-Legenden die Ehre zu erweisen. Der Olympiasieg mit der Staffel war der dritte deutsche Rodelerfolg in Cortina d‘Ampezzo – und ein ganz besonderer für die „Rekord-Tobis“: Mit sieben Goldmedaillen und einmal Bronze steigen sie auf zu Deutschlands erfolgreichsten Winterolympioniken.
Gemeinsam mit den Einsitzer-Olympiasiegern Max Langenhan und Julia Taubitz sowie Dajana Eitberger und Magdalena Matschina im Frauendoppel rasten Wendl/Arlt zum Viererpack: In der 2014 in Sotschi eingeführten Staffel ging der Olympiasieg im vierten Rennen zum vierten Mal an Deutschland. „Unvorstellbar, einfach geil“, sagte Wendl. „Alles für das Team, richtig geil. Jetzt geht es ans Feiern!“ Und wie: „Heute nur Bier“, schrie Langenhan, „heute nur Aperol“, fügte Taubitz an. Der Altmeister sah es mit Freude. „Einfach sensationell“, lobte Felix Loch, der im Einzel Sechster geworden war, seine langjährigen Teamkollegen: „Hut ab!“
Wendl/Arlt, die im Wettbewerb der Doppelsitzer am Mittwoch Bronze geholt und sich damit über Nacht gemeinsam mit Natalie Geisenberger (6 Gold, 1 Bronze) an die Spitze der Rekordliste gesetzt hatten, lassen ihre frühere Teamkollegin nun hinter sich. „Wir machen es nicht, um Rekorde zu sammeln oder Rekorde aufzustellen. Wir machen es, weil es uns Spaß macht. Wir machen es, weil es ein geiler Sport ist“, hatte Arlt vor der Staffel gesagt – und dann Vollgas gegeben.
In einem packenden Rennen setzten sich die deutschen Rodler souverän vor Österreich (+0,542 Sekunden) und Italien (+0,849) durch und unterstrichen ihre Ausnahmestellung als Medaillenlieferant für das Team Deutschland: Im fünften Rennen konnten sich die BSD-Athleten über die fünfte Medaille freuen. In den kommenden Tagen sollen die Skeletonis und die traditionell ebenfalls starken Bob-Pilotinnen und Bob-Piloten nachlegen.
Stunden nach den aufwühlenden Ereignissen um den disqualifizierten ukrainischen Skeletonsportler Wladyslaw Heraskewytsch spielte die Sportpolitik noch immer eine Rolle im Cortina Sliding Centre. Heraskewytschs Landsleute knieten vor ihrer Staffel nieder und reckten ihre Helme in den Himmel. Eine Geste der Solidarität und ein Zeichen an das IOC.
Die deutschen Rodler hingegen durften feiern, nachdem sie ihre Euphorie mit Blick auf die Staffel in den vergangenen Tagen gebremst hatten. Taubitz gab nach ihrem emotionalen Olympiasieg am Dienstag nur „ein bisschen Halbgas“, kündigte die große Sause aber schon an. Auch Einsitzer-König Langenhan und Eitberger/Matschina, Silbermedaillengewinnerinnen bei der olympischen Premiere im Frauen-Doppelsitzer, können die Party-Handbremse nun lösen. Wendl/Arlt sowieso.SID