München – Wenn der TSV 1860 am Samstag beim TSV Havelse antritt, rückt eine 31 Jahre alte Frau in den Mittelpunkt: Der DFB hat erneut Fabienne Michel angesetzt, eine der profiliertesten Schiedsrichterinnen ihres Fachs. Die Löwen haben vor allem einen Wunsch: Bitte keine weitere Benachteiligung!
Nach den umstrittenen Entscheidungen beim 1:2 gegen Stuttgart II hatte Präsident Gernot Mang einen Beschwerdebrief angekündigt. Nun reagiert die DFB Schiri GmbH – und widerspricht der Löwen-Wahrnehmung deutlich. „Es liegt in der Natur der Sache, dass Entscheidungen der Schiedsrichter von Vereinsvertretern und Medien bisweilen anders bewertet werden als von uns“, erklärte Kommunikationschef Alexander Feuerherdt auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Fußball kenne „Ermessensspielräume und Graubereiche“, bewertet werde nicht nur in „richtig“ oder „falsch“, sondern auch in den Nuancen „vertretbar, besser oder schlechter“.
Zu den beiden strittigen Elfmeterszenen, die laut Experte Babak Rafati (liga3-online.de) zu Ungunsten von 1860 ausgelegt wurden, stellt der DFB klar: Die Entscheidung, weiterspielen zu lassen, sei „jeweils vertretbar, weil kein eindeutiges Foulspiel vorlag“. Von elf angeblichen Fehlentscheidungen des 23. Spieltags erkenne man lediglich eine als Fehler an.
Bemerkenswert: Ein Beschwerdebrief des TSV 1860 sei „nach unserer Kenntnis bislang nicht beim DFB eingetroffen“, so Feuerherdt. Man bevorzuge den „direkten, offenen Austausch“ – auch auf der Managertagung habe kein Löwen-Vertreter das Gespräch gesucht.
Trainer Markus Kauczinski erklärte am Freitag zum Thema Benachteiligungen: „Ich hatte gehofft, dass sich das mit der Zeit angleicht. Es ist aber fast in jedem Spiel etwas Gravierendes dabei. Das hat schon Auswirkungen: Wenn wir drei, vier Punkte mehr hätten, würden wir uns besser fühlen.“
Zumindest aus DFB-Sicht wird 1860 behandelt wie jeder andere Drittligist auch. Für die Spiele, die Michel leitete, gilt das auf jeden Fall. Nach Havelse reist nun die Hoffnung mit, dass die Frau in Schwarz einen ruhigen Arbeitstag erlebt – und endlich wieder über Fußball gesprochen wird.ULI KELLNER