In Mailand gab es nach Bronze noch Gold. © Michael/DPA
Diese Serie wurde in Pyeongchang fortgesetzt. © Imago
Und auch in Peking räumte das Duo ab. © Kappeler/DPA
In Sotschi gab es direkt doppelt Gold. © Imago
Bayerische Doppelsitzer-Legenden: Tobias Wendl (l.) und Tobias Arlt prägen die Olympischen Spiele. © Michael/DPA
Cortina – Franz Wendl umarmte seinen Sohn Tobi und dessen Partner Tobi Arlt und wollte die beiden am liebsten nicht mehr loslassen. „Ihr Hundskrippln“, freut sich der Papa am späten Donnerstagabend vor der Tür des Deutschen Hauses über das siebte Gold der Doppelsitzer. Es war der erste kurze familiäre Moment eines turbulenten Olympia-Tages, an dem die „Tobis“ in der Team-Staffel triumphiert hatten.
Per se ist der „Hundskrippl“ ja ein Schimpfwort, aber in der bairischen Umgangssprache steht er gerne auch sinnbildlich für einen gerissenen Kerl. Und das sind die beiden Olympia-Heroen, die sich mit dem Cortina-Coup zu den erfolgreichsten deutschen Wintersportlern der Geschichte aufgeschwungen haben, definitiv.
Bei den ersten Trainings vor gut einer Woche hagelte es Schockmomente, denn die Material-Abstimmung passte überhaupt nicht. „Wir waren so weit weg“, erklärte Wendl unserer Zeitung. Noch im Abschlusstest lagen sie, trotz schönem Lauf, mit drei Zehntel zurück. „Das war ein Schlag ins Gesicht“, sagte Wendl und ergänzte: „Deswegen war die Bronzemedaille schon geil. Jetzt haben wir auch noch Gold. Das ist unbeschreiblich, das macht uns so stolz.“
Wie sie über Nacht doch den Material-Dreh geschafft haben? „Wie unser Altmeister Georg Hackl zu früheren Zeiten zu sagen pflegte: Schneller und sicherer“, antwortete Wendl. Auch Arlt will nicht mit der Sprache heraus: „Dabei belassen wir es. Er wird wissen, was wir gemacht haben. Danke, Schorsch.“
Anruf bei der Rodel-Legende. Angesprochen auf das Zitat, lacht der 59-Jährige auf: „Ich bin vor einigen Jahren mal draufgekommen, dass es einen gewissen Kniff gibt, wie man Kufen schleifen muss, damit sie schneller und sicherer werden.“ Das habe den jungen Tobis, die mit Felix Loch, Natalie Geisenberger, dem heutigen Bundestrainer Patric Leitner und Hackl viele Jahre die Trainingsgruppe „Sonnenschein“ bildeten, imponiert. „Ich freue mich total für sie. Die haben das toll gemacht“, so Hackl, der zu Hause nur 150 Meter von Wendl entfernt wohnt.
Er selbst feierte mit Österreich im Team Silber. Auch dort gibt es eine Anekdote zum Kufen-Kniff. Kurz nach seinem Wechsel ins Austria-Lager, hatte ein Fahrer ein Problem. Der Hacklschorsch anwortete: Da kenne ich mich aus. Wir machen die Kufen schneller und sicherer. „Bei der nächsten Fahrt hat es den Kollegen dermaßen geschmissen“, sagt Hackl und lacht. Freilich wegen eines Fahrfehlers, aber der Spruch hat seitdem „eine ganz andere Bedeutung.“
Eine Kuriosität erlebte das BSD-Team – neben den Tobis die beiden Olympiasieger Julia Taubitz und Max Langenhan und das Frauen-Doppel Eitberger/Matschiner – auch kurz vor dem Start in der Umkleidekabine des Sliding Centers. Die Türklinke war plötzlich weg.
„Die Rumänen waren als erster Starter ja schon fertig. Und plötzlich hatte einer die Klinke an der Tür zum Starthaus in der Hand, sie war rausgefallen. Da dachten wir 20 Sekunden lang, wie kommen wir jetzt pünktlich zum Start“, berichtete Wendl. Zum Glück war schnell ein Trainer gefunden, der das Malheur mit Hilfe eines Schlüssels von außen lösen konnte.
Danach folgten vier perfekte Läufe und eine große Party, inklusive den üblichen Schlachtliedern (“Humba“, „Bella Ciao“, „Oh, wie ist das schön“) und einigen Kaltgetränken. Am Freitag „haben wir uns umarmt. Da sind wir ganz kurz noch einmal emotional geworden“, berichtete Arlt am Morgen danach mit zittriger Stimme und feuchten Augen. MATHIAS MÜLLER