Ein bittersüßes Spektakel

von Redaktion

Bayern-Baskets verlieren in Tel Aviv – der Trainer ist trotzdem vom Team begeistert

Gefahr im Anflug: Niels Giffey schuftete für den kranken Vladimir Lucic – und er machte seine Sache bestens. © Mathias Stickel

Tel Aviv – Svetislav Pesic wollte sich gar nicht weiter mit Nebensächlichkeiten wie dem Ergebnis befassen, bevor er endgültig in die israelische Nacht entschwand. Der Trainer der Basketballer des FC Bayern war noch viel zu erfüllt von dem, was er da in den vorangegangenen zwei Stunden erlebt hatte. Selten hatte die Blut-Schweiß-und-Tränen-Liga Euroleague in dieser Saison ein derartiges Spektakel gesehen, ein derartiges Feuerwerk zweier völlig enthemmter Offensiven. „Einfach ein tolles Spiel“, sagte Pesic.

Ein Spiel, das nur den Makel hat, dass Maccabi Tel Aviv es nach Verlängerung mit 111:106 für sich entschied. Ein Rückschlag, den auch Pesic erst einmal weit weg schob. „Wir haben jetzt zwei Spiele in der Bundesliga“, setzte der 76-Jährige an, „dann kommt der Pokal und dann denken wir über unser weiteres Schicksal in der Euroleague nach.“

Und doch dürften ihm und seinen Bayern vor allem die letzten Minuten dieses epischen Duells im Kopf haften bleiben. In dem alleine in den letzten zehn Sekunden das Momentum dreimal die Seiten wechselte, um die Teams dann doch in die Verlängerung zu schicken. Nach einer Schlussphase, in der selbst 33-Punkte-Phänomen Andreas Obst zwei Freiwürfe und einen Dreier liegen ließ. „Es wäre genauso verdient gewesen, wenn wir gewonnen hätten“, sagte Pesic.

Einzig, man ahnt es, in der Defensive vermochten seine Profis nicht ganz an die Intensität der vergangenen Wochen anzuknüpfen. Aber das war auch kaum möglich, nachdem kurzfristig Vladimir Lucic und mit ihm Stefan Jovic und Oscar da Silva krankheitsbedingt passen mussten. Aber Niels Giffey (15 Punkte) und Nachkauf Nenad Dimitrijevic (15 Punkte/10 Assists) übernahmen und schufteten umso verbissener. Bei Giffey machte sich nach getaner Arbeit dann doch der Ärger bemerkbar: „Wir sind schon gefrustet jetzt.“

Wobei man es halt auch mit einem Gegner zu tun hatte, der selbst in diesen Tagen in Topform spielt. Vor allem im Hexenkessel der heimischen Menora-Mevtachim-Arena, in die man im Dezember zurückkehren durfte. Was für ein Gegensatz zu den blutleeren Geisterspielen im Ausweichquartier in Belgrad, die bis dahin der traurige Alltag gewesen waren.

Es wird interessant sein zu sehen, wie weit den Bayern diesmal der Spagat ins nationale Geschäft gelingt. Am Sonntag (16.30 Uhr) geht es nach Jena, zwei Tage später im heimischen BMW Park gegen die Frankfurt Skyliners. Ehe dann am Wochenende das Pokal-Top-4 wartet. In dem der erste Titel winkt – könnte ein schönes trostpflaster sein.RP

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