„Ich bin froh, dass es Francesco gibt“

von Redaktion

Johannes Lochner über das ewige Duell im Eiskanal – und den Showdown in Cortina

Lochner mit unserer Reporterin Hanna Raif. © Privat

München – Vorhang auf für den letzten Akt! Seit mehr als einem Jahrzehnt ärgern sich Johannes Lochner und Francesco Friedrich auf den Bobbahnen dieser Welt – in den olympischen Rennen von Cortina kommt es nun zum ultimativen Duell. Ausgerechnet kurz vor seinem angekündigten Karriereende ist plötzlich Lochner der Favorit. Über die neue Rolle, den Traum vom Gold und den Bob-Zirkus ohne ihn spricht der 35-Jährige im Interview.

Herr Lochner, als Favorit zu den olympischen Spielen zu fahren – haben Sie gedacht, dass Ihnen das nochmal passiert?

(lacht) Ausgeschlossen war ein Sieg von mir auch bei den letzten Spielen nicht. Aber es stimmt schon. Wir sind in einer guten Form – und Francesco Friedrich sucht sie noch. Jetzt hoffen wir mal, dass er sie nicht gefunden hat.

Hört man sich um, heißt es: Man sollte ihn nie abschreiben.

Definitiv nicht. Und er wird bestimmt irgendwas machen, aber ich weiß nicht, ob’s langt. Es liegt an mir, ich muss gerade runterfahren. Und die Bahn liegt mir so gut. Im Zweier kann ich mich eigentlich nur selber schlagen.

Sie haben schon vor vier Jahren mit dem Karriereende kokettiert.

Stimmt. Ich weiß seit acht Jahren, dass es diese Olympischen Spiele in Cortina gibt. Damals war das so weit weg. Die Spiele in Peking liefen gut, zwei Mal Silber, da dachte ich: Damit kann ich leben, ich bin so gut wie mein Onkel Rudi es einst war und Francesco ist einfach so stark, dass ich nicht vorbeikomme. Aber die Zusammenarbeit mit Georg Fleischauer hat dann alles verändert.

Inwiefern?

Bei der WM 2023 in St. Moritz, nach einer Saison, in der mir alles so locker von der Hand gegangen ist, habe ich gemerkt: Es geht ja doch so einfach! Seitdem ist der Plan, dass wir die Sache in Cortina mit Gold zu Ende bringen.

Entscheidend wird das ewige Duell Friedrich (35) gegen Lochner (35). Nervt es – oder gehört es einfach dazu?

Es hat mich früher genervt, aber ich finde es inzwischen gut. Wenn er nicht fahren würde und ich gewinne, wäre ein Sieg nicht so viel wert. Die Emotionen mit ihm sind schon so lange da. Und ich weiß, er ist der Beste der Welt. Gegen ihn zu gewinnen, das wäre es einfach!

Und wenn nicht?

Dann ist es auch okay. Ich habe ein volles Sportlerherz, aber wenn einer eine Leistung abliefert, die ich nicht toppen kann, ist es so. Ich bin eh gespannt, wie es nächstes Jahr wird, wenn ich nicht mehr fahre. Da wird es auch Francesco langweilig…

Wie wird der Sport ohne Sie?

Man müsste ihn ändern. Wir sind brutal gut in Deutschland – aber es ist langweilig. Entweder es muss einen Umbruch im Material geben, der uns Deutsche wieder langsamer macht. Oder der Rest muss Gas geben.

Wie groß sind die Berührungspunkte zwischen Ihnen und Friedrich?

Jeder macht sein Ding. Und trotzdem bereue ich nichts, was zwischen uns war oder ist. Alles, was ich in den letzten zehn Jahren erleben durfte, ist so viel wert. Ich bin froh, dass es Francesco gibt, sonst wäre ich nie so gut geworden. Wir haben uns immer angestachelt. Auch er wäre ohne mich nie so gut geworden.

Schauen Sie nur bis Viererrennen – oder werden Sie schon wehmütig?

Gar nicht. Das war vor vier Jahren so. Da war Wehmut! Und da wusste ich, dass das Kapitel noch nicht zu Ende ist. Wenn es aber jetzt vorbei ist, dann war es eine schöne Zeit – und gut is‘!

Der Weg zurück ist ausgeschlossen?

Ja. Definitiv. Ich höre auf. Zu 1000 Prozent. Ich spekuliere nur noch auf eine Wildcard, wenn am Königssee wieder gefahren wird (lacht). Zur Not lenke ich den Spur-Bob.

INTERVIEW: HANNA RAIF

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