Samuel Mbangula kam für viel Geld an die Weser und stolpert durch die Liga. © Jaspersen/dpa
Auch mit Thioune konnte Werder noch nicht gewinnen. © Bratic/Imago
Seit elf Spielen wartet Werder Bremen auf einen Sieg. © IMAGO
Bremen – Ungleicher könnten die Ausgangslagen kaum sein: Wenn der FC Bayern am Samstag (15.30 Uhr, Sky) auf Werder Bremen trifft, erwartet den Spitzenreiter aus München eine Mannschaft, die seit elf (!) Spielen auf einen Sieg wartet. Die Hanseaten stehen aktuell auf dem Relegationsrang 16 und taumeln dem Abstieg entgegen. Dabei hatten sich die Bremer nach der vergangenen Spielzeit (Platz 8) viel vorgenommen und wollten eigentlich um die europäischen Plätze mitspielen – nun droht der dritte Abstieg der Vereinsgeschichte. Doch woran liegt der Absturz des Traditionsclubs?
Der Toptransfer floppt: Vor der Saison sind die Bremer ins Risiko gegangen: Für 10 Millionen Euro wurde Samuel Mbangula von Juventus Turin verpflichtet – für die chronisch verschuldeten Hanseaten eine extrem hohe Summe. Der Flügelspieler sollte Werder in die obere Tabellenregion schießen und bestenfalls in zwei bis drei Jahren für eine deutlich höhere Ablöse verkauft werden. Daraus wird vorerst aber nichts: Der 22-Jährige ist bislang nur Bankdrücker und kommt erst auf drei Saisontore. Nach unseren Informationen liegt das vor allem daran, dass Mbangula sich im Training regelmäßig lustlos zeigt und für seine Einstellung mehrfach von Ex-Trainer Horst Steffen kritisiert wurde.
Trainereffekt? Verpufft! Stichwort Horst Steffen: Der Trainer kam vor der Saison für den langjährigen Erfolgscoach Ole Werner, der bei RB Leipzig anheuerte. Steffen galt als Talenteförderer, ist mit seiner (zu) ruhigen Art allerdings krachend gescheitert: Aus dem Vereinsumfeld heißt es, dass er das Team um die Führungsspieler Marco Friedl und Romano Schmid nicht mehr richtig erreichte. Sein Nachfolger Daniel Thioune startet nun mit einer Hypothek: Nach der Pleite im ersten Spiel gegen Freiburg (0:1) droht die nächste Niederlage gegen die Bayern. Bei zwei verlorenen Spielen zum Auftakt wäre der Trainereffekt verpufft – und Werder geht demoralisiert in die entscheidenden Wochen im Abstiegskampf.
Angst vor dem Super-Gau: Noch bleiben den Bremern 13 Spiele, um sich in der Tabelle zu retten. Dabei schwingt aber immer die Angst vor dem Super-Gau mit: Ein Abstieg wäre nämlich kein „normaler“ Betriebsunfall – sondern würde den Club finanziell in eine extreme Schieflage bringen. Ein direkter Wiederaufstieg wäre im nächsten Jahr keinesfalls gesichert, es droht vielmehr eine Entwicklung wie in den letzten Jahren bei Schalke 04. Das wissen selbstverständlich auch die Spieler, denen erkennbar die Leichtigkeit fehlt. Friedl mahnte nach der Freiburg-Pleite: „Bei uns steht und fällt alles mit Selbstvertrauen. Wir müssen den Bock umstoßen und anfangen, Spiele zu gewinnen.“ Das fällt mit der Drohkulisse zweite Liga im Hinterkopf immer schwerer.
Offensive? Fehlanzeige! Normalerweise gilt immerhin der Bremer Sturm als Prunkstück. In dieser Saison ist die Offensive aber ein Totalausfall: Stürmer Keke Topp kommt auf ein einziges Saisontor, Teamkollege Justin Njinmah gilt als Chancentod und vergibt regelmäßig hochkarätige Möglichkeiten. In den letzten neun Partien gelangen den Bremern nur vier Treffer, dabei blieben sie siebenmal (!) ohne eigenen Torerfolg. V. TSCHIRPKE