„Raimund wird Vierter, mei schad“

von Redaktion

Andi Goldberger über die die olympischen Springer-Wettbewerbe – und seine Prognose

Experte und Legende: Andi Goldberger. © Trinkl/Imago

Er ist immer noch ganz nahe dran, für den ORF analysiert Andi Goldberger das Skisprungeschehen unter den fünf Ringen. Nach Österreichs Katastrophenstart auf der Normalschanze baut Österreichs Springerliebling nun voll auf die Wettbewerbe auf der großen Anlage.

Herr Goldberger, Österreich hatte in diesem Weltcupwinter bislang das mit Abstand beste Team. Aber zu Feiern gab es in Predazzo noch nicht viel…

(lacht) Dafür bei Euch, so schnell geht`s manchmal. Aber eine Überraschung war das nicht. Er war ja im ganzen Winter schon gut. Hat halt nie gewonnen. Und hier hat es sich angebahnt. Der war im Training schon gut. Da war nur die Frage: Kriegt er`s rüber? Hat er.

Ohja. Für Österreich gab es dagegen einen vierten Platz von Lisa Eder. Ist das der Fluch der kleinen Schanze, die im Weltcup kaum gesprungen wird?

Glaube ich schon. Die kannst du immer schwer einschätzen. Da musst du absprungstark sein, die Landung gut rüberbringen. Sonst fehlt halt gleich a bisserl was. Aber das Ergebnis war zumindest für Embacher und Hörl eh ned so schiach, wie es aussieht. Vor allem Embacher hat bei der Landung immer wieder ein paar Probleme und dann reicht es halt schon nicht. Die Landung a bisserl besser, dann springt der um den dritten Platz mit. Und der Hörl auch.

In der Mixed-Mannschaft lief es allerdings auch nicht viel besser…

Weil du dir da halt überhaupt keine Schwäche leisten darfst. Selina Freitag hat den ersten Sprung verhauen, unsere Julia Mühlbacher auch – das holst du nicht mehr auf. Dafür ist zwischen den Männern zu wenig Unterschied. Das kann im Super-Team das gleiche werden. Wäre es ein normaler Team-Wettbewerb, dann würde ich sagen: Österreich hat eine Medaille programmiert. So weißt du nicht. Eine Schwäche und du bist vielleicht nur Sechster.

Nimmt man bei einem Turnier mit so vielen Wettkämpfen so einen Auftakt in die weiteren Wettbewerbe mit?

Das macht schon was mit dir. Da geht die Spirale runter oder natürlich rauf. Von unseren hörst du jetzt gerade gar nicht viel, das nagt schon. Die andere Seite ist: Dem Raimund traue ich jetzt richtig viel zu, der geht jetzt mit einem Riesen-Selbstbewusstsein auf die große Schanze, die ihm auch liegt. Und Druck hat er jetzt keinen mehr. Die ganze deutsche Mannschaft nicht. Die haben schon eine Medaille, mit der keiner gerechnet hat. Auch für den Hoffmann kann das gut sein. Gerade im Superteam traue ich den beiden zusammen viel zu. Bei den Österreichern ist die Situation anders, da ist jetzt Druck. Aber die haben eh immer Druck. Wenn du so ein Team hast, dann gehört das dazu.

Was auffiel: auf der kleinen Schanze waren viele Springer vorne, mit denen eigentlich nicht zu rechnen war. Tomasiak…

…oder Deschwanden, ja. Nach dem ersten Durchgang waren glaube ich sogar sieben Springer da vorne, die noch nie gewonnen haben. Aber das wird auf der großen Schanze anders aussehen, da bin ich mir sicher.

Zeit für die üblichen Verdächtigen?

Ich glaube schon. Bei manchen muss man sehen. Von Marius Lindvik habe ich eigentlich viel erwartet, aber er hat das ganze Jahr schon immer wieder Probleme gehabt. Auch Daniel Tschofenig hat im Vorfeld immer wieder am Material rumprobiert. Das merkst du einfach, da bist du nicht so locker wie du eigentlich sein solltest.

Auch Ryoyu Kobayashi springt mit anderem Ski…

Hat er ja müssen, weil seiner nicht bei Olympia zugelassen ist. Diese rosanen BWT-Ski, da geht es um den Aufdruck, weil BWT keine Skifirma ist, sondern ein Sponsor.

Wagen Sie einen Tipp für die Großschanze?

Ui, ich denke, der absolute Topfavorit ist schon der Domen (Prevc, d. Red.). Auch dem Ren Nikaido traue ich viel zu. Der hat in diesem Winter einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wie die Japaner überhaupt. Aber dann hoffe ich schon auf Embacher und Hörl – unsere zwei besten momentan. Und Raimund wird Vierter, mei schad (lacht).

INTERVIEW: PATRICK REICHELT

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