Erinnern Sie sich noch an die Fußball-WM 2006? Deutschland erlebte eine sechswöchige Hochsommerperiode, wie es sie in den vergangenen zwanzig Jahren nur noch selten gegeben hat. In Italien ist die Lage bisher ähnlich. Vor dem Start: fast kein Schnee in Cortina. Pünktlich zum Auftakt deckte Frau Holle das 5000-Einwohner-Bergdörfchen von oben ein – alles im weißen, äh, grünen Bereich. Statt Bauzäunen, Schlamm und Schande gingen traumhafte Winterbilder in die Welt hinaus.
Obendrein sticht der Heimvorteil. Freitagnachmittag stand Italien mit 18 Podestplätzen auf Rang zwei des Medaillenspiegels und hat damit nach sieben Tagen mehr Edelmetall eingesammelt als vor vier Jahren in Peking insgesamt (17, Platz 13). Vor acht Jahren waren es gar nur zehn Medaillen (Platz zwölf).
Geholfen haben die vielen Rodel-Erfolge in der neuen Eisbahn – die 200 Trainingsfahrten mehr gegenüber der Konkurrenz haben sich ausgezahlt. Dennoch verwunderlich, wie Gastgeber immer auf den Punkt (und oft nur auf den) ganz vorne stehen.
Das deutsche Team – auf Rang vier liegend – ist im Soll, mehr aber auch nicht. Den Aicher-Raimund-Rodel-Highlights stehen die NoKo-Nullrunde, sich selbst abschießende Snowboarder (überhaupt schwache Einbrettfahrer!) oder auch medaillenlose Biathlon-Einzelrennen gegenüber.
Verbesserungswürdig fällt auch das nicht sportliche Zwischenfazit aus. In Cortina wäre mehr gegangen, eine Medalplaza samt Konzerten zum Beispiel. Die Siegerehrungen sind oft schon arg lieblos und in Bormio sagen sich Fuchs und Hase schon ab 16 Uhr gute Nacht. Bleibt noch der zweite Hauptstandort Mailand. Der Transparenz halber: Ich war noch nicht dort. Aber zu mir ist auch wenig bis nichts Prickelndes aus der Modehauptstadt durchgedrungen. Kein gutes Zeichen.
Dafür knistert‘s offensichtlich im Athletendorf in Cortina. Angeblich sind dort die Gratis-Kondome ausgegangen. Eine Meldung, die alle zwei Jahre so verlässlich kommt, wie die Gastgeber vorne liegen. Und dennoch: Amore mio! Das darf doch nicht wahr sein.MATHIAS.MUELLER@OVB.NET