Völlig chancenlos: Justus Strelow. © Schmidt/dpa
Trifft stehend zu wenig: Franziska Preuß. © Marit/AFP
Antholz – Null-Medaillen-Wochenende für Deutschland im Antholzer Biathlon-Paradies. Nach den Sprint- und Verfolgungs-Rennen, reift die Erkenntnis: Es reicht nicht für das Podest! Es gibt gute individuelle Ergebnisse, wie die von Philipp Narwath (5., Einzel), Vanessa Voigt (4., Einzel), Franziska Preuß (6., Verfolgung), aber das Podest ist schwer zu erreichen.
„Letztlich können die Trainer nur mit dem Athletenmaterial arbeiten, das da ist“, konstatierte Felix Bitterling. Ein Satz mit Konfliktpotential. Zwar lebt der DSV-Sportdirektor die „Immer-Weiter-Mentalität“ vor, aber insgeheim weiß wohl auch der 48-Jährige, dass er aktuell keine richtige Granate im Team hat.
„Man kann es nicht erzwingen“, sagte Franziska Preuß am Samstag. Selbst ein fehlerfreies Schießen hätte im Sprint nicht zu Edelmetall gereicht. Doch auch daran hapert es, insbesondere stehend. Am Sonntag ballerte die Ruhpoldingerin wieder beim entscheidenden letzten Anschlag zweimal vorbei. Stattdessen jubelten die Tifosi über den Coup von Lisa Vitozzi. „Dass das letzte Schießen schon wieder so sch… läuft, das tut jetzt echt weh“, sagte Preuß. „Ich habe es wieder nicht durchgezogen, das war schon sehr, sehr ernüchternd.“ Ähnlich ist die Stimmungslage bei Vanessa Voigt. Die 28-Jährige trifft viel. Hilft nur nichts, da die Loipe mehr Feind als Freund ist. Am Samstag war Voigt zusätzlich durch Magenprobleme gehandicapt. Erst am Vormittag entschied sich ihr Start.
Zimmer- und Bad-Kollegin Janina-Hettich Walz musste dagegen passen. Schuld waren wohl die Burger in der Unterkunft, die sie zusammen mit Tschechien – die eigenen Köche teilen sich eine Küche – belegen. Dass ausgerechnet die Deutschen, die das schärfste Hygienkonzepte verfolgen, so ein unverschuldeter Querschlag traf, passt ins Bild.
Am Sonntag hatte auch die Anwesenheit von FCB-Star Joshua Kimmich, der zuvor mit Jamal Musiala ein Motivationsvideo geschickt hatte, schon bei den Männern keinen Aufschwung gebracht. Philipp Horn landete im Verfolger als bester Deutscher auf Rang elf – Nawrath, Strelow und Zobel unter ferner Liefen. Insgesamt leistete sich das Quartett vor 19 000 frenetischen Fans 18 Fehlschüsse.
Können die Männer überhaupt aus eigener Kraft in die Medaillen laufen? „Wenn die schnellsten Läufer vorne noch super schießen, dann ist es schwer“, hielt Bitterling fest. „Wir brauchen einen Sterntag, um ganz vorne anzugreifen.“ Der sei möglich. Aber man habe „sicher keinen Flow, der Deckel fliegt vor Begeisterung nicht gerade vom Kopf“. Auch nicht bei Justus Strelow, der nach Rang 30 kopfschüttelnd im Ziel stand. Es sei für ihn selbst an einem perfekten Tag „eher nicht“ möglich, aufs Podest zu laufen.
Dort stand am Wochenende hauptsächlich Frankreich (Michelon (Silber), Jeanmonnot, Jacquelin (beide Bronze)) und Norwegen (Kirkeeide (Gold, Silber), Laegreid (Silber)). Plus der Finnin Suvi Minkkinen und dem schwedischen Verfolgungs-Olympiasieger Martin Ponsiluoma. Zumindest da kann Deutschland etwas mitjubeln, denn sein Cheftrainer Johannes Lukas ist ein Münchner.MATHIAS MÜLLER