„Habe es gewagt, ich selbst zu sein“, sagt Braathen. © AFP
Bormio – 27 Grad zeigte das Thermometer am Samstagvormittag Ortszeit in Campinas unweit von Sao Paolo, als Alessandra Pinheiro Castro vor dem Fernseher saß und sah, wie ihr Sohn brasilianische Wintersportgeschichte schrieb. Im rund 10.000 Kilometer Luftlinie entfernten Bormio lag dieser in den Armen seines Vaters Björn, beide hatten Tränen in den Augen. Und als im Hintergrund das Erkennungslied der Formel-1-Legende Ayrton Senna erklang und in Mailand die „Casa Brasil“ bebte, war endgültig klar: Das südamerikanische Land hat in dem Skirennfahrer Lucas Pinheiro Braathen einen neuen Nationalhelden.
An Ikonen des Sports mangelt es Brasilien nicht. Außer dem dreimaligen Weltmeister und 1994 verstorbenen Senna verehrt das Land insbesondere seine Fußballlegenden wie Pelé oder Ronaldo. Wintersportler aus dem Land hingegen traten bislang zumeist als Exoten in Erscheinung. Erst 1992 nahm erstmals eine brasilianische Mannschaft an den Spielen teil.
Am Samstag nun, als Lucas Pinheiro Braathen nach dem olympischen Riesentorlauf mit der Goldmedaille um den Hals ganz oben auf dem Podest stand, hing die brasilianische Fahne im Zielraum der Pista Stelvio höher als alle anderen. Kurz zuvor hatte Braathen, erster Medaillengewinner eines südamerikanischen Landes bei Olympischen Winterspielen, eine Botschaft an seine Landsleute gerichtet: „Egal, wo du bist, deine Kleidung, deine Hautfarbe, was zählt, ist in dir drin“, sagte der 25-Jährige, „wenn du so fährst, wie du bist, ist alles möglich.“ DPA