Kopf voran ins Glück

von Redaktion

Vier Medaillen! Skeletonis Jungk, Grotheer, Kreher und Pfeifer räumen ab

Ebenfalls Bronze: Christopher Grotheer. © Kappeler/DPA

Susanne Kreher mit Silber (r.) und Jacqueline Pfeifer mit Bronze. © Kappeler/DPA

Voll Fahrt voraus: Axel Jungk war als Kind noch Skispringer, dann wurde er für Skeleton gesichtet. Der Wechsel hat sich ausgezahlt. © Rellandini/AFP

Cortina – Drei Rennen, sechs Podestplätze. Die deutschen Skeletoni Axel Jungk (Silber), Christopher Grotheer (Bronze), Susanne Kreher (Silber), Jaqueline Pfeifer (Bronze) hatten schon im Einzel abgeliefert. Zum Abschluss gab es die gleichen Farben auch im Team. Jungk/Kreher holten Silber, Grotheer/Pfeifer Bronze. Dass die Briten Weston/Stoecker besser waren, war zumindest ein kleiner Wermutstropfen. „Die haben schon damit spekuliert, dass heute etwas drin ist. Aber wir müssen einfach zufrieden sein mit dem, was wir haben. Das ist ja unfassbar“, sagte der deutsche Verbandschef Thomas Schwab.

Axel Jungk:

Als Kind noch Skispringer (Bestweite: 117 Meter) war der 34-Jährige bald zu schwer. Auf dem Sportinternat sichtete ein Trainer Talente fürs Skeleton. Jungk sagte zu, dachte aber er würde im Oval Eislaufen. „Ich habe Skeleton mit Shorttrack verwechselte“, sagte der Silbermedaillengewinner. „Mein Zimmerkollege war Rodler, der hat mich aufgeklärt, dass das die sind, die sich Kopf voran in die Eisbahn stürzen.“

Die Bekanntheit seiner Sportart hat seitdem zugenommen, aber bescheiden. „Es ist traurig“, sagte Jungk: „Wir stehen immer so ein bisschen im Schatten vom Bobsport.“ Während die großen Schlitten oft in der Primetime gezeigt werden, finden die Skeleton-Weltcup überwiegend am Freitagvormittag statt. „Es ist schwach vermarktet von unserem Verband.“ Er hoffe, „dass das in den nächsten Jahren besser wird. Aber ich gehe nicht davon aus, weil es in den letzten zehn Jahren auch nicht besser geworden ist.“ Im Moment des Erfolgs dachte Jungk dann an einen langjährigen Freund, der letztes Jahr an Krebs gestorben war: „Dem widme ich diese Medaille. Guido, die ist für dich.“

Christopher Grother:

Vor den Augen seiner kleinen Tochter Elsa zu Bronze – da floßen bei Grotheer am Tag danach noch fast die Tränen: „Es war meine größte Motivation, vor den Augen meiner Familie mitzumachen“, sagte der 33-Jährige. „Elsa hat mitgefiebert. Ich bin einfach stolz.“

Für Grotheer, früher ebenfalls Skispringer (Bestweite: 95 Meter), dürfte die Ringe-Karriere zu Ende gehen. „Mit Kind ist es einfach ganz etwas anderes. Ich muss mit meine Frau sprechen, sie fängt wahnsinnig viel ab, damit ich meinen Traum leben darf.“ Zudem kämpfte der Bronze-Mann diese Saison mit vielen Verletzungen. Vier weitere Jahre durchzustehen, so „viel Kompressionsbandagen gibt es gar nicht“, so Grotheer.

Susanne Kreher:

Vor knapp zehn Jahren wechselte „Susi“ von der Leichtathletik in die Eisrinne. Oft stand sie im Schatten ihrer Teamkolleginnen, bis sie Überraschungs-Weltmeisterin wurde. Auch dieses Mal hatte niemand richtig mit ihr gerechnet, denn beinahe hätte sich Kreher gar nicht qualifiziert. Erst beim letzten Weltcup in Altenberg rutschte sie noch in die Mannschaft. „Es tut mir wohl gut, wenn ich keinen Druck habe“, sagte Kreher. „Die Farbe der Medaille ist mir völlig egal. Ich habe Gold nicht verloren, sondern Silber gewonnen.“

Jaqueline Pfeifer:

Gewann den ersten Weltcup auf der neuen Bahn. Freute sich mit kleiner Einschränkung. „Es wäre möglich gewesen“, sagte „Jacka“. Aber: „Hätte, hätte, … die anderen zwei waren besser.“ Bereits vor acht Jahren gewann die 31-Jährige Silber. Nach Platz acht vor vier Jahren dachte Pfeifer ans Aufhören. „Ich habe gehadert, ob es noch Sinn macht.“ Doch Trainer Tobias Alt konnte sie überzeugen – zum Glück. „Rückblickend bin ich sehr froh.“MATHIAS MÜLLER

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