Lange umkämpft: 1860 siegt letztlich deutlich mit 5:0 bei Havelse. © Kruzcy/Imago
Eiskalt: Sigurd Haugen eröffnete mit dem Führungstreffer den Torreigen. © Imago
Havelse – Am Ende wurde es sogar weltmeisterlich. In der 86. Minute feierte Noah Klose, Sohn von WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose, sein Profi-Debüt für den TSV 1860. Und nur knapp verpasste das Sturmtalent direkt seinen Premierentreffer. Nicht weiter schlimm, die Löwen durften auch so kräftig feiern. Mit 5:0 siegten die Sechzger bei Kellerkind Havelse, der erste Erfolg im bisher so tristen Jahr 2026.
Die Erleichterung war den Blauen nach dem Abpfiff deutlich anzumerken. „Dieser Sieg tut uns in der aktuellen Situation unfassbar gut“, betonte Angreifer Patrick Hobsch bei MagentaSport – und schob ehrlich hinterher: „Am Ende fällt der Sieg relativ hoch aus, obwohl es zwischendurch eine enge Kiste war.“ Der Stürmer hatte Recht. Bis zu seinem Treffer zum 0:2 war der Aufsteiger auf einem Spielfeld, das mehr an einen Kartoffelacker als an Wimbledon erinnerte, keinesfalls die schlechtere Mannschaft.
Sofern auf diesem Untergrund möglich, kombinierte sich Havelse in der ersten halben Stunde einige Male sehenswert in den Strafraum der Gäste, fand jedoch jedes Mal seinen Meister im stets aufmerksamen Löwen-Keeper Thomas Dähne. Und die Sechzger? Konnten sich einmal mehr auf ihren Wikinger im Sturm verlassen. Nach einem Zuckerpass von Philipp Maier tauchte Sigurd Haugen alleine vor Havelse-Keeper Tom Opitz auf, umkurvte ihn und schob zur Pausen-Führung ein (29. Minute). Der Norweger war wieder einmal der beste Mann auf dem Platz.
Nicht lange aufregen musste man sich im 1860-Lager über die vergebene XXL-Chance Haugens direkt nach dem Seitenwechsel, denn Sekunden später machte es Sturmpartner Hobsch nach schöner Vorarbeit von David Philipp besser und stellte aus fünf Metern auf 0:2 (53.). Havelse gebrochen, die Löwen mit Lust auf mehr. Der Debütantenball konnte beginnen: Erst erzielte Clemens Lippmann von der Strafraumgrenze sein erstes Profitor (60.). Sollte Lippmann eine Torprämie im Vertrag ausgehandelt haben, müsste ein Teil jedoch an Opitz gehen, der den harmlosen Ball durchrutschen ließ. Und dann konnte auch Joker Justin Steinkötter nach feinem Haugen-Assist endlich seinen ersten Treffer im 60-Trikot erzielen. Den Schlusspunkt setzte Maier nach einer Ecke (89.).
Der Aufstiegszug (wohl) abgefahren, die Köpfe jedoch wieder oben – so ließ sich die Gemengelage der Löwen nach dem Abpfiff zusammenfassen. „Wir haben lange gewartet, 2026 fängt für uns jetzt an“, erklärte 1860-Coach Markus Kauczinski hinterher. Geht doch noch was nach oben? Kauczinskis trockene Antwort: „Um über irgendetwas zu reden, müssen wir weiter Siege holen.“ Die Fans sangen in den Schlussminuten „Nie mehr 3. Liga“. Natürlich reine Ironie – zumindest im Februar 2026.MARCO BLANCO UCLES