Ohne Eiskanal nur wenig los

von Redaktion

Überragende Schlittensportarten hübschen deutsche Ergebnisse auf

Die deutschen Eisschnellläuferinnen patzten in der Teamverfolgung. © Halisch/Imago

Medaillen-Lieferanten: Auch in der Mixed Staffeln beim Rodeln gab es Gold. © Michael/dpa

„Enttäuscht“: Fabian Gratz leistete sich im zweiten Durchgang des Riesenslaloms einen groben Patzer. © Imago/Steiner

Cortina – Die Zwischenbilanz des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) begann am Sonntag mit einem Witz. „Wir versuchen noch eine Lampe anzumachen“, sagte Pressesprecherin Eva Werthmann. „Um uns im besseren Licht darzustellen. Kleiner Scherz.“ Der richtige Schalter wurde schnell gefunden, die Athleten und Athletinnen des Team D suchen ihn hingegen noch – zumindest außerhalb der Eisbahn.

Abgesehen von Philipp Raimund (Gold, Normalschanze), Emma Aicher (Silber Abfahrt, Silber Team mit Kira Weidle-Winkelmann) und Biathlon-Bronze im Team gab es außerhalb des Sliding Center – Stand Samstagmittag – nur NEUN (!) Platzierungen in den für den DOSB noch relevanten „Finalplätzen“ vier bis acht. Eisbahn hui, der Rest: ziemlich viel Pfui! Wird Deutschland im Winter abgehängt?

„Das sehe ich nicht so“, sagte Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir wollen im Medaillenspiegel eine gewichtige Rolle spielen und nach Möglichkeit das Ergebnis von Peking wiederholen. Es ist auch erst Halbzeit. Ich bin optimistisch, dass wir in der zweiten Woche noch einiges erreichen werden.“

Damals holte das Team D 27 Medaillen (12 Gold, 10 Silber, 5 Bronze). Im Moment stehen 13 Podestplätze (4, 5, 4) und Rang sechs im weltweiten Vergleich zu Buche. Man ist also, wenn man so will, noch auf Kurs – dank der Eisbahn. Denn ohne die Kufensportler stünde Deutschland bei nur vier Medaillen. „Wir werden von den Schlittensportarten getragen“, bekannte auch Tabor. Aandere Sportarten hätten „ihre Potenziale noch nicht so abgerufen“.

Die Konkurrenz auf der Bahn ist allerdings – ohne die Leistung der Sportler zu schmälern – freilich eine andere als beispielsweise im 100-Meter-Sprint von Gina Lückenkemper. Im Grunde teilten sich der DOSB die Sliding-Medaillen bisher mit Gastgeber Italien und Österreich auf.

Im Biathlon sieht die Situation ganz anders aus. Auch wegen Programmen wie dem von der IBU initiierten „Close the gap“, das den Rückstand kleinerer Nationen verringern soll. Erste Auswüchse sind in Antholz sichtbar: Im Einzel und im Sprint der Frauen lag Bulgarien, trainiert vom Ruhpoldinger Wolfgang Pichler, jeweils vor der besten DSV-Athletin. „Die anderen Länder haben ihre Hausaufgaben ganz klar gemacht“, sagte Tabor. „Uns wird das Leben vom Rest der Welt schwer gemacht, das haben wir so erwartet.“

Was noch drin ist, in der zweiten Olympia-Halbzeit? Im Ski liegt die Hoffnung auf dem Slalom (Aicher, Dürr, Straßer), schon morgen will das Eiskunstlauf-Duo Hase/Volodin aufs Treppchen. Im Bob gehört Deutschland vier Mal (Monobob, 2x Zweier, Vierer) zu den Topfavoriten. Die Männer-Teams auf dem Eis (Curling, Eishockey) tun sich noch schwer. Und sonst? Hofft Tabor auf „Überraschungen“. Bisher verliefen Skispringen, NoKo, Langlauf und Eisschnelllauf nicht unbedingt nach Maß.MATHIAS MÜLLER

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