30 Sekunden zerstören alles

von Redaktion

Preuß und die Schieß-Probleme

Blick nach vorne: Die Staffel wartet. © Schmidt/dpa

Das Schießen macht Preuß Sorgen. Die sind beim Foto mit Joshua Kimmich vergessen. © Schmidt/dpa

Antholz – Für einen Moment sah es fast so aus, als wollte Franziska Preuß nicht mehr aufstehen. Nach ihrem sechsten Platz in der Verfolgung saß Deutschlands beste Biathletin völlig frustriert im Antholzer Schnee. Lehnte an der Bande im Zielbereich, verschränkte die Arme, vergrub ihr Gesicht. Wieder einmal war die 31-Jährige bis zum letzten Schießen auf Medaillenkurs – dann versagten ihre Nerven. Erneut zerbricht Preuß am Olympia-Druck.

„Ich merke schon, dass die Spannung im Körper steigt, und dann wird es unruhig“, sagte die bitterlich enttäuschte Biathletin kurz nach dem Wettkampf. Eine passende Erklärung für das wiederkehrende Problem? „Keine Ahnung, woher das kommt“, sagte sie.

Mixed-Staffel, Einzel, Sprint – und jetzt das Jagdrennen: Preuß fällt bei ihren letzten Winterspielen in den entscheidenden Momenten regelrecht auseinander. Es sei „schon hart, dass 30 Sekunden ein echt gutes Rennen zerstören“, sagte die Bayerin, die in Antholz erstmals komplett ratlos wirkte.

Ein ähnliches Fazit zog Felix Bitterling: Preuß habe es „richtig gut gemacht bis zu diesem letzten Schießen, hat die Tür weit aufgestoßen und es dann nicht geschafft durchzugehen“. Doch der Sportdirektor glaubt weiter an unsere Medaillen-Hoffnung. „Sie hat es viele Jahre geschafft, in solchen Situationen zu bestehen.“ Doch auch er musste anerkennen, dass sie „derzeit struggelt“.

Wie sehr Preuß die aktuelle Situation belastet, das hatte die Szene im Zielraum gezeigt. Kurz später schienen ihre Tränen und Verzweiflung zumindest für einen Moment verschwunden. Nämlich als sie mit Stargast Joshua Kimmich und ihren Kollegen in die Kamera grinste. Für das Foto mit dem DFB-Kapitän war ihr Lächeln kurz zurückgekehrt.

Der Druck auf Preuß ist nach den schonungslos ehrlichen Worten nicht kleiner geworden. Nach der morgigen Frauen-Staffel (14.45 Uhr) bleibt ihr nur noch der abschließende Massenstart am Samstag, um die heiß ersehnte Einzelmedaille zu gewinnen. Dafür muss sie aber unbedingt ihre Nerven beim letzten Schießen in den Griff kriegen: „Ja, diese letzten, entscheidenden 30 Sekunden ärgern mich immer noch, aber genau sie treiben mich an.“

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