Glücklich: Laura Nolte neben Armbruster Humphries (Bronze). © Bertorello/AFP
Lochner kam zweimal fast fehlerfrei für den eigens für die Spiele gebauten Kanal. © Solero/EPA
Cortina/München – Laura Nolte hat ihren ersten Olympiasieg im Monobob auf dramatische Weise verpasst. In einem Krimi musste die 27 Jahre alte Weltcup-Dominatorin im vierten Lauf noch die US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor vorbeiziehen lassen und gewann mit 0,04 Sekunden Rückstand Silber.
Im Zweierbob der Männer kann Gold eigentlich nur über die deutschen Duos gehen. Für eine standesgemäße Olympiasieg-Feier hat Johannes Lochner vorgesorgt – und zwar schon vor Wochen. Als es rund um den berühmt-berüchtigte Eiskanal in Cortina d‘Ampezzo noch ruhig war, bekam der Mann, der an diesem Dienstag im Zweierbob nach seiner ersten olympischen Goldmedaille greift, nämlich einen Anruf. Der Name des alten Bekannten am anderen Ende der Leitung bleibt geheim, das Ergebnis des Gesprächs aber nicht: Für Lochner steht seitdem für diesen Tag, der der schönste seiner 15 Jahre langen Bob-Karriere werden soll, ein Kasten Bier im Zielauslauf. Eingeschmuggelt – und eiskalt.
Er wird getrunken werden, so oder so. Aber mit einem zweiten, dritten oder gar vierten Platz für den Berchtesgadener rechnet nach dem fulminanten Start in die olympischen Wettbewerbe sowieso niemand mehr. Ganze 0,8 Sekunden Vorsprung (!) fuhr Lochner in den ersten beiden Zweier-Läufen am Montag mit seinem bärenstarken Anschieber Georg Fleischhauer heraus, da kann sich Dauer-Champion Francesco Friedrich auf Rang zwei strecken, wie er will: Ohne einen Lochner-Fehler auf dem 1445 Meter langen Kurs hat er keine Chance. Selbiges gilt für den dritten Deutschen Adam Ammour, den Lochner bereits um 1,24 Sek. distanziert hat. Wie hört man so schön, seitdem die deutschen Festspiele vergangene Woche begonnen haben: „Eine Welt im Eiskanal!“
Lochner kam zwei Mal fast fehlerfrei durch den eigens für die Spiele gebauten Kanal, der den Deutschen so liegt. Elf der 15 deutschen Medaillen wurden bis Montag dort gewonnen, auch Lochner sagt: „Mir geht die Bahn brutal gut von der Hand.“ Er bezeichnet sie als das „Gegenteil von Altenberg“ – dem Heim-Kurs von Friedrich, der Fehler mit brutalen Stürzen bestraft. Cortina ist vergleichsweise leicht gebaut, aber es gibt Knackpunkte. Dass er eine Hand an der Goldmedaille hat, wollte Lochner daher lieber nicht aussprechen. Er weiß: „Grad im Bob darfst Du das niemals sagen. Weil Du oben rein brutal viel wegschmeißen kannst.“
Was er meint, bestätigt BSD-Technik-Experte Julian von Schleinitz. Der Ex-Rodler beschäftigt sich seit einem guten halben Jahr mit der Bahn. Er nennt sie „nicht schwer, sehr sicher, aber speziell“ und erklärt: „Wer bis zur Kurve vier Fehler macht, verliert Zeit bis ins Ziel.“ Das flache Bahnprofil ist „gnadenlos“, bis zur vierten Kurve muss man daher „extrem viel lenken“. Eine Bande – und auf der vergleichsweise wenig fallenden Bahn kommt viel zu wenig Geschwindigkeit auf, um zu Edelmetall zu fahren. Bei Lochner war das Gegenteil der Fall. Bei seinen beiden Fabelläufen hat er schon „gemerkt, dass wir schnell sind. Aber dass wir so schnell sind, ist geil!“
Worte, die auch Felix Loch gerne gesprochen hätte. Doch der Rodler hat genau mit dem verkorksten Start-Effekt zu kämpfen gehabt. Immerhin: Von Schleinitz hat ihn bei einem Bierchen etwas aufheitern können, verrät er. Aber keine Angst: Es war keins aus Lochners Kasten.H. RAIF, M. MÜLLER