Feiner Techniker – ganz der Papa: Noah Klose (21), Filius von Weltmeister Miroslav Klose, bei seinem Drittligadebüt im 1860-Trikot. © Sampics / Stefan Matzke
Weltmeisterliche Familie: WM-Rekordschütze Miroslav Klose 2014 mit seinen Zwillingen Noah und Luan. © Imago
Hannover/München – SG Blaubach-Diedelkopf. Kein Sportbericht kam ohne diesen Dorfverein aus, als sich Miroslav Klose zu Beginn des Jahrtausends anschickte, einer der besten Mittelstürmer der deutschen Fußballgeschichte zu werden. Blaubach-Diedelkopf – das war der Bezirksligist, bei dem Klose beinahe sein Talent verschenkt hätte, ehe er über Homburg, den 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen und den FC Bayern doch noch im großen Fußball ankam.
Und wie wird das einmal bei Noah Klose laufen? Womöglich wird man eines Tages sagen: Ja, der kleine Klose – der hat doch damals in Havelse sein erstes Profispiel gemacht. Als Talent des TSV 1860. In der 3. Liga.
Wie einst sein Papa ist Noah Klose ein Spätstarter. Miroslav Klose war 21 Jahre, zehn Monate und sechs Tage, als er erstmals im Profifußball eingesetzt wurde: Joker-Einsatz für Lautern in der Bundesliga (1:0 gegen Frankfurt). Klose jr. war am Samstag 21 Jahre und 15 Tage alt, als Löwen-Trainer Markus Kauczinski entschied: Jetzt ist er dran!
Mit sieben Toren und zehn Assists hatte das U 21-Talent in der Hinrunde der Bayernliga auf sich aufmerksam gemacht. Im Januar durfte Klose erstmals mit den Profis ins Trainingslager reisen. Schon damals hatte Kauczinski gelobt: „Er hat gezeigt, dass er Talent hat und Dinge mitbringt.“
Nun also sein Drittligadebüt. 1860 führte in Havelse komfortabel mit 4:0, als es in der Schlussphase zum Debütantenball kam: Klose wurde gemeinsam mit Lasse Faßmann eingewechselt. Und beinahe wäre es ein Traumeinstand geworden. Nach einem Zuspiel von Max Reinthaler war Philipp Maier schneller (5:0). Und kurz darauf, schön freigespielt, stand wohl nur die Aufregung seinem ersten Glück im Weg.
Die Statistiker hielten den Premieren-Auftritt genau fest: neun Minuten Einsatzzeit, sieben Ballkontakte, ein Abschluss, fünf Zweikämpfe – vier davon gewonnen.
Gewisse Parallelen zum Vater waren unverkennbar. Auch Noah führt den Ball eng am Fuß, verfügt über eine feine Technik – und über einen ausgeprägten Instinkt für gefährliche Räume. Dieses innere Navi, das einen dorthin lotst, wo Tore entstehen, scheint bei der Familie Klose serienmäßig verbaut zu sein.
Mit seinem Debüt schaffte es der Angreifer sogar bundesweit in die Schlagzeilen. Die Bild berichtete groß, ebenso andere Medien, die sich sonst selten für eingewechselte Löwen-Talente interessieren. Auch der Drittliga-Sender MagentaSport griff den Moment auf und kommentierte augenzwinkernd: „Hand hoch, wer sich jetzt ein bisschen alt fühlt…“
Kein Wunder. Viele der heutigen Fußballfans sind mit der Tormaschine Klose groß geworden: von seinem Dreierpack gegen Saudi-Arabien bei der WM 2002 – bis zum WM-Titel 2014, zu dem er im Alter von 36 Jahren noch ein Tor beisteuerte.
Und nun beginnt womöglich die Geschichte des nächsten Klose. Bei 1860 ist man gespannt, wann Noah, dessen Zwillingsbruder Luan wieder in Grünwald kickt, die ersten Treffer gelingen. Die Chancen auf weitere Einsätze stehen gut. Papa Miro verfolgt die Entwicklung aufmerksam – inzwischen als Trainer beim 1. FC Nürnberg. „Natürlich bin ich sehr stolz auf ihn“, sagte er über seinen Filius: „Das hat er sich alles allein erarbeitet. Mal schauen, wohin die Reise geht.“ULI KELLNER