Zehn Tage Olympia sind rum, und in unserem deutsch-italienischen Haushalt fällt die Zwischenbilanz durchwachsen aus. Dabei sein ist alles – dieses Motto gilt bestenfalls für den Autor dieser Kolumne, der nicht nur von Berufs wegen einschaltet. Viele Medaillen am TV miterlebt, sich tiefer in die meditative Kunst des Curlings eingearbeitet, sogar mal beim Frauen-Eishockey hängen geblieben. Pflichtprogramm ist jeden Abend das „Olympia kompakt“ in der ZDF Mediathek – das ist dann meistens auch der Moment, an dem das italienischste Familienmitglied zumindest entfernt mitbekommt, was da gerade in ihrer Heimat stattfindet.
Olympia in Bella Italia – das ist auch bei der erweiterten Großfamilie nicht die festa grande, die Außenstehende erwartet hätten. Klar: Gebürtig kommen alle von ganz unten am Stiefel – da ist einem von Haus aus suspekt, was im Norden des Landes passiert. Dazu Schnee, Eis und Kälte. Nicht gerade Elemente, die das Herz eines Süditalieners erwärmen. Und das Schlimmste: Weit und breit rollt kein Ball!
Die stärkste Gefühlsregung der Signora di Casa war bei den Eisschnelllauf-Medaillen der großartigen Francesca Lollobrigida zu verzeichnen – besonders beim zweiten Gold, das die Großnichte einer Filmlegende leider nicht mit dem kleinen Tommaso teilen konnte. Der Zweijährige war bereits a letto. Ähnliches galt für vier italienisch-deutsche Kinder im Münchner Osten. Ein Moment der Ruhe, in dem Olympia gaaanz weit weg war. Wenn die schönste Italienerin Münchens just da eine Augenbraue hob, als ihre Landsfrau in die Kamera strahlte, war das bereits das Maximum an olympischer Begeisterung.
Emozioni grandi? Die gibt es bei anderen Großveranstaltungen, auf die schon mit Fahnengirlande hingefiebert wird. Nicht unbedingt auf die letzten beiden WM-Turnieren, aber ich habe noch den finalen Jubelschrei im Ohr, als Italia bei der EM 2021 einen Münchner Biergarten beben ließ.
Apropos: Am Samstagabend schaltete der Nonno in Kalabrien zum ersten Mal während dieser Spiele den Fernseher ein. 20.45 Uhr, Inter gegen Juve (3:2) – ein furioses Derby d’Italia. Goldmomente für einen echten Tifoso. Medaillenspiegel? Die Serie A führt!