Anna Dollak und Lisa Hofmann. © Screen.
Heute möchten wir Sie mit den Worten von Jochen Breyer begrüßen. Er würde wie an jedem Olympiatag jubeln: „Da ist so viel drin und noch viel mehr.“ Dann würde er ein lässiges „Schauensemal!“ hinterherschieben. Dabei geht es diesmal in unserem „Spektakel-Epizentrum“ (O-Ton KMH) gar nicht um die Öffis, sondern um die neue Fernseh-Welt von HBO Max. Wir begrüßen Sie quasi aus Digitalien. Ob man dafür wirklich das nächste Streaming-Abo eines US-Multis braucht, muss jeder selbst entscheiden. Aber was die Amis online auffahren, kann sich sehen lassen. Lesensemal!
– Was läuft bei HBO Max? Das Gerede von wegen „Jeder ist sein eigener Olympia-Regisseur“ geistert seit 20 Jahren durchs Fernsehen. Bei HBO Max kriegt man jetzt zum ersten Mal Lust, sich selbst durch den Tag zu klicken. Wer Multitasking beherrscht, schaut sich vier Curlingstreams gleichzeitig an. Wer am 9. Februar die Trainingsläufe im Frauenrodel-Doppelsitzer verpasst hat, holt sie jetzt nach. Alles bis hin zum Finale im Mixed-Skibergsteigen lässt sich gucken – übersichtlich sortiert nach Sportarten. Und meistens auf Deutsch, mit den Übertragungen von Konzernschwester Eurosport. Das gibt’s ab 5,99 Euro im Monat. Teuer, aber super.
– Was macht besonders Spaß? Wenn vier Livestreams nebeneinander laufen, wie gestern früh Slalom, Bob und zweimal Curling, wird’s schnell unübersichtlich. Aber, schauensemal, sobald man in ein Fenster klickt, hört man den Ton aus diesem Stream. Dann konzentriert man sich auf den Slalom mit Linus Straßer, und nebenan fährt ein stummer Johannes Lochner Bob. Clever sind die „entscheidenden Momente“ bei den Wiederholungen. Wer Deutschland – USA im Eishockey anklickt, kann direkt zum deutschen Tor von Tim Stützle springen, leider war’s das einzige. Am Morgen gibt es das Cappuccino-TV „Ciaolympia“ mit Anna Dollak und Lisa Hofmann, am Abend die zackige Highlight-Show „A Day at the Olympics“. Und natürlich „Forza FaBi“ mit Fabian Hambüchen und Birgit Nössing.
– Wie läuft das bei ARD und ZDF? „Wir haben ein duftes Online-Programm!“ werden Esther, KMH & Co. nicht müde zu betonen. Das stimmt im Grunde: Wer sich durch sportschau.de und sportstudio.de klickt, wird ordentlich bedient. Parallele Livestreams finden sich auch hier, doch in den Highlights geht es meistens um die deutsche Perspektive. Wer mehr sehen will, hat Pech gehabt. Alles ist weniger komplett, weniger komfortabel. KMHs „dufte Streams“ könnten also dufter sein. Dass hier kein US-Medienkonzern mit Geld um sich werfen kann, merkt man zwangsläufig.
– Was war das jüngste Highlight bei HBO Max? Auf jeden Fall das Frauen-Skispringen, bei dem Kommentator Gerhard Leinauer, Ex-Trainer Werner Schuster und der Eurosport-Brauchtumsbeauftragte Markus „Eisei“ Eisenbichler wieder ihren zünftigen Skihupf-Stammtisch veranstaltet haben. Wobei es ja „Euroschport“ heißen müsste. Denn hier regiert mit Werner Schuschter (Vorarlberg) und dem Sachverständigen Martin Schmitt (Schwarzwald) die alemannische Sprachfamilie: „Selina, du kannsch es besser, das hätte man sich anderscht erhofft.“ Sprachlich wunderbar, leider hat den deutschen Springerinnen die „Konschtanz gefehlt“, so Martin Schmitt. Konschtanz liegt halt am Bodensee und nicht in Italien.JÖRG HEINRICH