Mit Moonwalk und Mopp

von Redaktion

Um das Curling-Turnier ist ein kleiner Hype enstanden – ein Vorortbesuch in historischer Stätte

Marc Kennedy sorgte für Zoff. © Apawu/dpa

Verkleidet beim Curling: Das Publikum sorgt für mehr Stimmung als früher. Den Spielern gefällt‘s. © EPA/Makovec

Deutschlands Skip Marc Muskatewitz hat noch alle Chancen aufs Halbfinale. © Kappeler/dpa

Cortina – Wenn ein Streif-Sieger im Wohnzimer seinem Saugroboter mit einem Mopp voranläuft und schnelle Wischbewegung macht, dann ist das Curling-Fieber ausgebrochen. Auch Ex-Ski-Star Thomas Dreßen scheint die Geschehnisse in Cortina intensiv zu verfolgen, zumindest legt sein Social-Media-Video das nahe.

Es hat sich ja auch einiges zugetragen in der 3500 Zuschauer fassenden Arena, die bereits bei den Spielen 1956 als Austragungsstätte diente. Die Schweden beispielsweise zofften sich mit Kanada, weil die Ahornblätter den Stein beim Loslassen verbotenerweise am Granit berührt haben sollen.

Auch im Duell mit dem jungen deutschen Team um „Oldie“-Skip Marc Muskatewitz (30) gab es im vierten „End“ kurzzeitige Diskussionen. Der Stein von Felix Messenzehl blinkte rot. Eine Strafe? Nein, letztlich nur ein technischer Defekt. Den gab es auch am allerersten Spieltag als das Licht kurzzeitig ausfiel. Die Probleme waren schnell behoben, genau wie Kritik am Eis.

Die Stimmung? Liegt irgendwo zwischen Tennis- und Fußballatmosphäre. Während der Aktion gibt es wenig Schlachtrufe, danach sehr wohl. Allen voran durch Gastgeber Italien. Am Montag zieren aber auch viele deutsche Fahnen die nahezu volle Tribüne. Während die Organisatoren hier und da um Ruhe bitten, lieben die Protagonisten die Anfeuerungsrufe. „Lieber rührt sich was“, sagte Bundestrainer Uli Kapp. Auch der Schweizer Yannick Schwaller forderte: „Lasst sie verrückt werden!“ Verrückt ist auch der Internet-Hype um Mark Callan. Wenn der schottische Eismeister Wasser spritzend rückwärts über die 46 m lange Bahn tippelt, werden Gedanken an Moonwalk-König Michael Jackson wach.

Damit einen die sportliche Faszination erfasst, sollte man sich aber schon ein bisschen auskennen. Oder zumindest den TV-Kommentar, inklusive Taktikgesprächen der Spieler, im Ohr haben. Sitzfleisch schadet auch nicht, zehn Durchgänge dauern lang. Das Extra-End-Drama gegen Italien knapp drei Stunden, ähnlich lang wie der deutsche 7:3-Sieg gegen Olympiasieger Schweden am Montag.MATHIAS MÜLLER

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