Schicksalstage für Neuer

von Redaktion

Führt die Verletzung zum Karriereende? Urbig im Scheinwerferlicht – noch mehr als sonst

Der Körper streikt bei Neuer ab und an. © Instagram

Aber der Torwart kämpfte sich bislang zurück. © Instagram

München – Die Dramaturgie ist – zumindest wenn man die Statistik anschaut – keine Überraschung. Schon in den vergangenen drei Spielzeiten nämlich verpasste Manuel Neuer jeweils eine Partie gegen Borussia Dortmund. Die Gründe waren einleuchtend und lassen ein gewisses Muster erkennen: 2023 Unterschenkelbruch, 2024 Muskelfaserriss im Adduktor, 2025 Muskelfaserriss in der rechten Wade. Ja, Manuel Neuer wird älter, der Körper streikt ab und an. Und auch wenn es nun wieder nur ein Muskelfaserriss ist (diesmal links), der den Keeper für das nächste Spiel gegen den BVB außer Gefecht setzt, ist die nun erlittene Blessur eine besondere. Denn sie wird begleitet von der Frage, die ihn auch selbst umtreibt: Wird Neuer nie wieder in Dortmund spielen?!

„Vorerst“ ist die Formulierung, die der FC Bayern bei der offiziellen Mitteilung zur Blessur verwendet hat, die Neuer sich am Samstag in Bremen zugezogen hat. Von rund drei Wochen Ausfallzeit allerdings geht man intern schon aus, gegen Frankfurt, in Dortmund und gegen Gladbach wird es ohne die Nummer eins im Bayern-Tor gehen müssen. Ist er dann wieder fit, bleiben noch exakt zwei Spiele als 39-Jähriger, ehe die „böse“ 4 wartet. Verbunden mit der Zukunftsentscheidung, auf die man rund um seinen runden Geburtstag im Verein wartet. Die Bedingungen für eine Verlängerung hat Max Eberl bei „Sport1“ formuliert: „Er muss auf Top-Niveau leistungsfähig sein – so wie er es aktuell ist. Das müsste in der kommenden Saison auch der Fall sein.“ In den Gesprächen wird es, so der Sportvorstand, darum gehen, „wie Manuel sich fühlt, ob er will und ob er sich in der Lage sieht, seine Leistungen noch ein weiteres Jahr lang zu zeigen.“

So eine Verletzung kann da natürlich ausschlaggebend sein. Schon in den vergangenen Monaten hatte man intern das Gefühl, dass Pendel langsam in Richtung Tendenz Karriereende ausschlägt – obwohl Neuer laut Eberl „immer noch ein Top-Torhüter in Europa“ ist. Das stimmt an guten Tagen, es gab aber in dieser Saison auch diverse Partien, nach denen über Neuer-Patzer geredet wurde. Bei Union Berlin, in Köln, gleich doppelt in London bei Arsenal zwei und zuletzt gegen Hoffenheim etwa sah der Weltmeister in einzelnen Aktionen gar nicht gut aus. Was besser geworden ist: sein Umgang mit Fehlern. Und zwar mit eigenen wie jenen seiner Vertreter.

Das gute Verhältnis zu Jonas Urbig ist auffällig. Patzt der Jung-Keeper mal – wie 2025 in Berlin und jüngst gegen Augsburg –, baut Neuer seinen designierten Nachfolger auf. Tenor: Muss passieren, passiert den Besten! Im Torwart-Team versteht man sich so gut, dass man sogar einen eigenen Jubel (Telefonhörer) kreiert hat. Den muss – oder besser: darf – nun Urbig auf dem Platz zeigen, solange Neuer daheim für die Rückkehr auf den Platz ackert. Der 21-Jährige steht im Scheinwerferlicht, kurz vor Neuers Zukunftsentscheidung noch mehr als sonst. Auch das hätten sich die Dramaturgen besser nicht ausdenken können.H. RAIF, V. TSCHIRPKE, P. KESSLER

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